VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Personal Shopper
Personal Shopper
© Weltkino Filmverleih

Kritik: Personal Shopper (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Was wie ein handelsüblicher Gruselfilm beginnt, wird später um Stalking-Thriller-Elemente ergänzt, ist aber weitaus mehr als ein übersinnlicher Spannungsstreifen. Mit "Personal Shopper" untermauert der Franzose Olivier Assayas erneut seine Rolle als eigenwilliger Autorenfilmer, der in seinen Werken bevorzugt komplexe Seelenzustände seziert. Nach "Die Wolken von Sils Maria" arbeitet er erneut mit der einst durch die "Twilight"-Saga berühmt gewordenen Kristen Stewart zusammen, die sich in den letzten Jahren zu einer aufregenden Charakterdarstellerin entwickelt hat. Wer das nicht glauben mag, sollte unbedingt einen Blick riskieren, selbst wenn Assayas es dem Zuschauer mit seiner ungewöhnlichen, eher nüchtern bebilderten Geister-Erzählung nicht wirklich einfach macht.

Gerade im Mittelteil mäandert die Geschichte etwas unentschlossen zwischen verschiedenen Polen. Und noch dazu stellt der Regisseur sein Publikum ein wenig auf die Probe, wenn er über einen längeren Zeitraum den Austausch von Handy-Nachrichten bildfüllend zeigt. Ästhetisch anspruchsvolle Einstellungen gibt es dabei nicht zu sehen. Und doch gelingt es Assayas zugleich, eine diffuse Bedrohung zu erzeugen, die sich vor allem gegen Ende noch einmal zuspitzt. In anderen Momenten unterläuft "Personal Shopper" ganz bewusst klassische Thriller-Mechanismen, da der Film trotz übernatürlicher Einschläge in erster Linie von einem Halt suchenden Menschen handelt, der mit einem schmerzlichen Verlust nicht umzugehen weiß.

Befeuert wird die Krise der in Paris lebenden US-Amerikanerin Maureen Cartwright (Stewart) auch dadurch, dass ihr Job als persönliche Einkaufsassistentin einer fordernden Promi-Diva (Nora von Waldstätten) keine große Befriedigung bringt. Ständig wird sie herumgescheucht. Anerkennung für ihre kompetente Arbeit bekommt sie aber nicht. Auch wenn der Film in manchen Passagen allzu behäbig und unfokussiert daherkommt, ist es eine große Freude, Stewart bei ihrer Darbietung zu beobachten. Zurückhaltend und ohne plumpe Manierismen entwirft sie das Porträt einer verunsicherten jungen Frau, das gespickt ist mit ehrlich berührenden Momenten. Obwohl nicht alles funktionieren will in diesem manchmal schwer fassbaren Psychodrama, strahlt "Personal Shopper" mit seiner wunderbar natürlich auftretenden Hauptdarstellerin eine eigenartige Faszination aus.

Fazit: Unkonventionelle Seelenschau, die Genregrenzen überschreitet und Erwartungen unterläuft, dank einer feinfühlig agierenden Kristen Stewart aber erstaunlich ergreifend gerät.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.