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Kritik: I, Tonya (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die 1970 geborene Tonya Harding zählt zweifelsohne zu den schillerndsten Charakteren der Sportwelt. Bekannt wurde sie im Kosmos des Eiskunstlaufs durch ihr technisches Können – etwa durch die äußerst seltene Beherrschung des dreifachen Axel-Sprungs; weltweit berühmt-berüchtigt wurde sie indes durch den medial ausgeschlachteten Skandal um das Attentat auf Nancy Kerrigan im Jahre 1994. Der Verdacht, dass sie von dem Plan, ihre beliebte Konkurrentin schwer zu verletzen, gewusst hat, kostete Harding die Karriere; sie wurde lebenslang gesperrt und war fortan als "Eishexe" verschrien.

In "I, Tonya" widmet sich Regisseur Craig Gillespie ("Lars und die Frauen") der Lebensgeschichte Hardings – und setzt das schwarzhumorige Drehbuch von Steven Rogers ("P.S. Ich liebe Dich") als grotesk anmutende Komödie mit tragischen Untertönen in Szene. Dabei lässt er Harding sowie deren Ex-Mann Jeff Gillooly, der den Attentäter beauftragte, und Hardings Mutter in gegenwärtigen Interview-Situationen direkt in die Kamera sprechen, um das damals Geschehene Revue passieren zu lassen. Die extrem subjektiven Äußerungen, die oft in krassem Widerspruch zum Gezeigten stehen, stammen wiederum aus echten Befragungen, die Rogers im Vorfeld mit den Beteiligten durchführte. Der Film wird dadurch zu einer Mockumentary, in welcher Lustiges und Bitteres erstaunlich dicht beieinanderliegen. Jede Figur hat ihre eigene Wahrheit – und das Skript sowie die Inszenierung geben klugerweise gar nicht vor, die eine Wahrheit zu kennen.

Vieles in "I, Tonya" ist ganz großartig. So werden zum Beispiel die Eiskunstlauf-Passagen von Gillespie wie Actionsequenzen umgesetzt – völlig anders, als man dies von eher dröge wirkenden Fernsehübertragungen kennt. Problematisch sind hingegen die Momente, in denen häusliche Gewalt (in Hardings Familienhaus sowie später in der Ehe) eingefangen wird: Hier kommen der Humor und das rasante Tempo nicht immer adäquat daher.

Margot Robbie ("The Wolf of Wall Street", "Suicide Squad") ist in der Hauptrolle eine echte Sensation. Dass Harding, die sich selbst als "Redneck" bezeichnet, sowohl auf dem Eis in ihren selbstgenähten Kostümen als auch abseits der Eisbahn mit Dauerwelle und trashigen Outfits die von Eiskunstläuferinnen erwartete Grazie fehlt, vermag die Australierin nachvollziehbar zu vermitteln, ohne ihre Figur zur Karikatur verkommen zu lassen. Auch Sebastian Stan (bekannt als Winter Soldier aus dem Marvel-Universum) kann als Jeff überzeugen – während die zu Recht mit dem Oscar als beste Nebendarstellerin ausgezeichnete Allison Janney ("Juno", "Mom") als kettenrauchende Rabenmutter eine wahrlich unvergessliche Show abliefert.

Fazit: Ein erfrischend-unkonventionelles Biopic im Mockumentary-Gewand, dessen (Irr-)Witz größtenteils zu funktionieren vermag. Die Schauspiel-Leistungen – insbesondere von Margot Robbie und Allison Janney – sind superb.




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