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Wohne lieber ungewöhnlich
Wohne lieber ungewöhnlich
© Neue Visionen

Kritik: Wohne lieber ungewöhnlich (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Diese französische Ensemble-Komödie von Regisseur Gabriel Julien-Laferrière verdankt ihren Charme einer pfiffigen Idee. Sie stellt nicht nur das in vielen Patchwork-Familien praktizierte Wechselmodell infrage, das die Kinder dazu zwingt, alle paar Tage zwischen zwei Haushalten zu pendeln. Vielmehr dreht diese satirische Posse den Spieß gut gelaunt um und lässt die Kinder ein festes Domizil beziehen, zu dem sich nun die Erziehungsberechtigten zur abwechselnden Betreuung begeben müssen.

Die flotte, spaßige Geschichte verbindet zwei verschiedene Ideen. Zum einen macht sie sich mit kritischem Unterton über das egoistische Verhalten vieler moderner Eltern lustig, die die Bedürfnisse ihrer Kinder vor lauter Berufs- und Beziehungsstress kaum mehr wahrnehmen. Zum anderen ähnelt sie einem wahr gewordenen Kindertraum, denn die sieben Kinder dieser Patchwork-Großfamilie finden in der neuen Wohnung nicht nur ein dauerhaftes Refugium, sondern stellen dort auch die Regeln des Zusammenlebens auf. Dabei erweisen sie sich als viel vernünftiger als die Erwachsenen, die sich selbst viel zu wichtig nehmen. Und siehe da, das entspannte Wohnen nach Kinderart, bei dem Ehestreit und das Diskutieren beruflicher Probleme verboten sind, lockert auch die verschiedenen Erwachsenen auf. Diese sind zudem sehr unterschiedliche Charaktere, die mit ihren persönlichen Schrullen ein hübsches komödiantisches Ensemble ergeben. Da wäre zum Beispiel Paul (Arié Elmaleh), der seinen Senf immer nur online per Video beisteuert, sodass ihn seine Tochter mit einer List aus seinem stillen Kämmerchen holen muss. Sehr unkonventionell ist Sophies Mutter, Oma Aurore (Chantal Ladesou) geraten, als Schnapsdrossel, die den Enkeln reichlich indifferent, aber nicht völlig lieblos begegnet.

Die Dialoge sind unbekümmert frech und dabei sehr witzig. Die Kinder denken sich beispielsweise ein "Shuffle-System" aus, nachdem sich die Erwachsenen bei der Betreuung abwechseln sollen. Bastien, der Ich-Erzähler, klingt in seiner Altklugheit ganz schön abgebrüht, aber die Geschichte vergisst nicht, ihn mit den Wirren einer ersten Liebe wieder altersgemäß zu erden. Hier ist zwar immer etwas los, aber der Fokus der Geschichte liegt auf der Dynamik, der ständigen Bewegung, die dem Geschehen eine verspielte Leichtigkeit verleiht. Mit seiner Fülle lustiger Ideen dürfte dieser gelungene Film nicht nur Erwachsenen, sondern auch schon Kindern im Schulalter Spaß machen.

Fazit: Warum sollen Kinder aus Patchworkfamilien immer zwischen verschiedenen Haushalten hin- und herpendeln, wenn es auch anders ginge? In dieser gut gelaunten, witzig-frechen französischen Komödie nehmen sich sieben betroffene Sprösslinge eine gemeinsame Wohnung und tragen alle Erziehungsberechtigten in einen Wochenplan zur abwechselnden Betreuung ein. Unter der Regie von Gabriel Lucien-Laferrière nimmt ein WG-Abenteuer seinen Lauf, das mit einem Ensemble interessanter Charaktere und spritzigem Dialogwitz für ungetrübtes Filmvergnügen sorgt.




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