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Peter Handke - Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich...päte.
Peter Handke - Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte.
© Piffl Medien

Kritik: Peter Handke - Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte. (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Regisseurin Corinna Belz hat ein Händchen für scheue Künstler. Nach dem Maler Gerhard Richter, der ihr 2011 für einen Dokumentarfilm sein Atelier öffnete, lässt sich nun der Schriftsteller Peter Handke in seinem Haus an der Pariser Peripherie über die Schulter blicken. Dabei schreitet Belz zwar einige Stationen aus Handkes Leben und Karriere ab, die sie mit Archivaufnahmen unterfüttert, und bringt Handke an einigen wenigen Stellen mit Familienmitgliedern zusammen; im Kern kreist der Film jedoch um Handkes Gedanken über das Schreiben.

Bis heute schreibt Peter Handke mit der Hand. Sein Haus ist übersät mit Notizbüchern. Eins davon trägt er immer griffbereit, um etwas zu Papier zu bringen, aus dem später einmal Literatur werden könnte. Vor einem Computer habe er hingegen noch nie gesessen. Das erotisiere ihn nicht. Beim Schreiben mit der Hand gelange er zu einer ganz anderen Sprache. Hier könne er sich gehen lassen, etwas erfinden, Materie erschaffen. Für Peter Handke, einen einfachen Jungen vom Land, ist dieser Vorgang bis heute ein Tabubruch. Belz setzt diesen leinwandfüllend in Szene, blendet Textauszüge seines Werks oder Seiten aus den Notizbüchern ein, um die Schrift und das Schreiben mit dem Medium Film zu fassen.

So ruhig Handke spricht, scheint auch sein Alltag. Ob beim Putzen der Pilze für eine Suppe, beim Schälen von Kastanien oder beim Einfädeln eines Fadens, Handke nimmt sich stets die nötige Zeit, was Belz' Film ein gemächliches Tempo verleiht. Handke ist aber auch ein unbequemer Zeitgenosse. Passt dem Schriftsteller etwas nicht, schlägt seine (behauptete) Scheu in Angriffslust um. Dann verfällt er in die Rolle des Pedanten und Wortklaubers, schnauft tief, verdreht die Augen, kritisiert Belz' Formulierungen. Es ist bewundernswert, dass sich die Regisseurin davon abseits der Kamera nicht aus der Ruhe bringen lässt.

Diese Unzugänglichkeit gepaart mit Handkes gewollt verquaster Sprache macht Belz' Dokumentarfilm zu einem anstrengenden Vergnügen. Die Entscheidung, Handke seine Texte selbst vortragen zu lassen, tut dem Film zudem keinen Gefallen. Denn so zögerlich und bedacht der Schriftsteller jedes seiner Worte in Gesprächen abwägt, so einschläfernd liest er auch vor. Wer Handke und dessen Literatur nicht kennt, dem wird der Zugang zu diesem Film schwerfallen. Wer sich bereits mit dem Schriftsteller befasst hat, erfährt wenig Neues über dessen Leben und Karriere, erhält aber tiefe Einblicke in seine Beschäftigung mit Literatur.

Fazit: Corinna Belz' Dokumentarfilm ist ein intimes Porträt des Schriftstellers Peter Handke, das zum vollständigen Verständnis einiges an Vorwissen voraussetzt. Aufgrund seines verschlossenen, äußerst unbequemen Protagonisten ist der Film für das Publikum eine Herausforderung.




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