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Hinter den Wolken (2016)

Achter de wolken

Nach 53 Jahren tritt eine Jugendliebe wieder ins Leben einer Witwe – und lässt diese über einen Neuanfang nachdenken.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

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Emma (Chris Lomme) ist in ihren Siebzigern und hat gerade ihren Ehegatten Frederik (Karel Vingerhoets) – einen Akademiker und Unternehmer – verloren. Gemeinsam mit ihrer Tochter Jacky (Katelijne Verbeke) und ihrer jugendlichen Enkelin Evelien (Charlotte De Bruyne) besucht sie die Beerdigung. Dort taucht unerwartet Gerard (Jo De Meyere) auf – ein Mann, den Frederik und sie einst "gut gekannt" haben, wie Emma zunächst sagt. Bald nimmt Gerard über Facebook mit Emma Kontakt auf und bittet sie um ein Treffen. Bei der ersten Verabredung versetzt Emma ihn; beim zweiten Anlauf bricht sie das Treffen nach kurzer Zeit ab. Wie sich herausstellt, haben sich die beiden seit 53 Jahren nicht mehr gesehen. Damals war Gerard in Emma verliebt – doch diese entschied sich für dessen besten Freund Frederik. Als Gerard eines Nachts vor Emmas Tür steht, kommt es abermals zu einer Annäherung, aus der sich eine Beziehung entwickelt. Für die erste gemeinsame Nacht nimmt sich das Paar ein Hotelzimmer. Gerard, der zweimal glücklos verheiratet war, will alle Versäumnisse nachholen; Emma fällt es indes schwer, insbesondere ihre Tochter einzuweihen, weshalb sie Jacky gegenüber immer wieder zu Notlügen greift.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Mit "Hinter den Wolken" legt die 1985 geborene Belgierin Cecilia Verheyden ihr Langfilmdebüt vor – und lässt im Umgang mit ihrem Thema eine hohe Sensibilität erkennen. Das kluge Drehbuch von Michael De Cock, welches auf dessen Theaterstück basiert, wird in einer unaufgeregt-stilvollen Bildsprache umgesetzt und von einem großartigen Ensemble getragen. Hauptdarstellerin Chris Lomme beeindruckt zunächst als Trauernde, die den Tod ihres Ehemanns verarbeiten muss. Die offen-herzliche Beziehung zwischen der Protagonistin Emma und der (fast) erwachsenen Enkelin Evelien wird in Lommes Zusammenspiel mit Charlotte De Bruyne glaubhaft eingefangen – und auch das schwierigere Verhältnis zur Tochter Jacky vermag in der Darstellung zu überzeugen.

Was in der französischen Komödie "Willkommen im Hotel Mama" in erster Linie als Vorlage für boulevardeske Momente diente, wird von Verheyden und dem gesamten Team ernst genommen: Der Film zeigt, dass es der "Kindergeneration" oft nicht leicht fällt, den Eltern im Alter ein Recht auf eigene Entscheidungen – insbesondere im Bereich der (neuen) Liebe – zuzugestehen. Der Mutter-Tochter-Konflikt wird hier noch zugespitzt, indem Jacky in einer frustrierenden Affäre mit einem verheirateten Mann (verkörpert von Lucas Van den Eynde) feststeckt – und den amourösen Ausbruch ihrer eigenen Mutter daher umso mehr als Affront empfindet.

Die Chemie zwischen Lomme und Jo De Meyere ist hervorragend. Die beiden können vermitteln, dass sich ihre Figuren seit vielen Jahren nicht mehr gesehen haben – und dass dennoch rasch wieder eine Nähe zwischen Emma und Gerard entsteht. Bereits der erste, kurze Blickwechsel auf dem Begräbnis von Emmas Ehemann, als Gerard einen roten Dartpfeil in Erinnerung an die einstige Zeit zu dritt auf den Sarg legt, ist intensiv. Wenn Gerard mit den Worten "will dich sehen" via Facebook mit Emma in Kontakt zu treten versucht, wird dies witzig, aber niemals albern in Szene gesetzt – ebenso wie das erste Treffen, das nach plötzlichem Regen in einen Dönerladen führt und "ganz anders" als geplant verläuft. Bei Rotwein und Brahms können die beiden schließlich an frühere Zeiten anknüpfen – und die erste gemeinsame Nacht, die das Paar im "griechischen Zimmer" eines Hotels verbringt, gehört zu den schönsten Liebesfilmsequenzen des Jahres: Ehe der "Retro-Sex" beginnt, zählt Gerard Emma als reality-check-Maßnahme all seine Gebrechen auf und erzeugt mit dieser Ehrlichkeit eine einnehmende Intimität.

"Hinter den Wolken" widmet sich dem Alter(n) mit leisem Humor; in einem Nebenstrang um Gerards Bruder Karel (Hugo Van Den Berghe), einem ehemaligen Konzertpianisten, der nun mit Demenz in einem Pflegeheim lebt, klingen jedoch auch tragische Töne an. Verheyden bleibt in ihrer Schilderung realistisch – und bringt ihren reifen Figuren viel Sympathie entgegen.

Fazit: Ein feinsinnig gemachter Film über die Liebe im fortgeschrittenen Alter – wunderbar gespielt!




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Land: Belgien
Jahr: 2016
Genre: Drama
Länge: 100 Minuten
Kinostart: 20.10.2016
Regie: Cecilia Verheyden
Darsteller: Charlotte De Bruyne als Evelien, Chris Lomme als Emma, Jo De Meyere als Gerard
Verleih: Pandora Film

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