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Kritik: Rock My Heart (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Ostwind", "Hanni und Nanni", "Wendy": kind- bzw. teenager-gerechte Filme über Pferde waren in jüngster Vergangenheit schwer angesagt. Auf diesen Zug springt nun auch "Rock My Meart" auf, wobei Regisseur Hanno Olderdissen versucht, hier den Pferdesport in den Mittelpunkt zu rücken und ein realitätsnahes Bild von diesem zu zeichnen. Sein erster Film war die NDR-Produktion "Familie verpflichtet". Bekannt wurde er 2008 durch den Kurzfilm "Robin", mit dem Olderdissen auch sein Regie-Studium an der Internationalen Filmschule Köln, abschloss. Die Hauptdarstellerin von "Rock My Heart", Anna Lena Klenke, war bereits in Kino-Hits wie "Victoria" und "Fack ju Göthe" zu sehen.

Regisseur Olderdissen beweist in seinem zweiten Langfilm, dass es durchaus möglich ist, einen Film über die Freundschaft zwischen einem Pferd und einer Jugendlichen von jeglichem Pathos und Kitsch zu befreien. Die Hauptgründe liegen im hohen Authentizitätsgrad des Films sowie im wunderbar funktionierenden Zusammenspiel aller Akteure. Olderdissen verzichtet auf schmalzige, wenig glaubhafte Märchen- und Pferdefilm-Romantik. Stattdessen zeichnet er ein Abbild der Galopprennsport-Realität – mit allen positiven wie negativen Seiten.

Heißt: der Film zeigt u.a., wie viel Arbeit dahintersteckt und wie viel Zeit investiert werden muss, um sich in diesem Sport mit anderen messen zu können. Und etwa auch, wie hoch die Hürden sind, um eine Prüfung zur Amateurrennreiterin erfolgreich zu durchlaufen. Die Zweifel, die Jana dem Pferderennsport-erfahrenen Paul gegenüber in einer Szene äußert, sind deswegen durchaus berechtigt: "Ich kann ja noch nicht mal richtig reiten", sagt sie. Und dann soll ausgerechnet sie an einem Rennen teilnehmen, das Paul und seinen Stall vor dem Ruin retten könnte.

Daraus ergeben sich zwei Ebenen der Spannung: die erste konzentriert sich ganz auf die wenigen Wochen vor dem Derby und das Rennen an sich. Ist Paul in der Lage, der schwer kranken Jugendlichen in kurzer Zeit das Reiten beizubringen? Und wie schlägt sich ein Frischling auf dem Pferd in einem Rennen mit erfahrenen Sportlern? Die zweite Spannungsebene dreht sich um die Frage, wie das Herz von Jana all die Anstrengungen verkraften wird. Wichtig dabei aber ist zu erwähnen, dass der Film immer von seiner positiven Grundeinstellung zum Leben und seinen lebensbejahenden (Haupt-) Figuren getragen wird.

Dieter Hallervorden und Anna Lena Klenke ergänzen sich wunderbar als widerspenstige, leicht aufmüpfige Jugendliche auf der einen Seite. Und als schwer greifbarer alter Mann, der (zunächst) nur wenig Emotionen zeigt, auf der anderen. Aber die Beiden eint die Liebe zu dem schnellen aber schwer zähmbaren Pferd Rock My Heart, das sich schon in der ersten Begegnung mit der Jugendlichen – einer sehr feinfühlig inszenierten Szene – auf besondere Weise zu dieser hingezogen fühlt.

Fazit: Behutsam und kitschfrei inszenierter Mix aus feinfühligem (Krankheits-)Drama und Sportfilm, ausgestattet mit einem hohen Realitätsgrad und überzeugenden, toll harmonierenden Darstellern.




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