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Kritik: Wir sind die Flut (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Wir sind die Flut" ist der Diplom-Langfilm des Regisseurs Sebastian Hilger. Der Absolvent der Filmakademie Ludwigsburg realisierte das Werk gemeinsam mit Nadine Gottmann, die an der HFF "Konrad Wolf" studierte und das Drehbuch verfasste. Den beiden ist es gelungen, aus der reizvollen Prämisse der Geschichte eine weitgehend einnehmende Mischung aus philosophischem Science-Fiction-Film und individuellem Drama zu machen, bei der lediglich ein paar zu unscharf bleibende Nebenstränge um die Bewohnerschaft des aufgesuchten Ortes nicht recht zu überzeugen vermögen.

Die Elemente der Fantastik kommen einerseits in einigen klugen Skriptideen zum Tragen; so erinnert die Art und Weise, wie reale Ängste und Erschütterungen mit Unerklärlichem verknüpft werden, unter anderem an Julian Pölslers Marlen-Haushofer-Adaption "Die Wand" sowie an Mike Cahills ungewöhnlichen US-Genrebeitrag "Another Earth". Andererseits vermittelt sich das Fantastische durch die hervorragende Kameraarbeit von Simon Vu. Die Einblicke in das zum militärischen Sperrgebiet erklärte Nordseedorf lassen an Andrei Tarkowskis Klassiker "Stalker" denken; die triste, gespenstisch anmutende Gegend wird als mysteriöser Ort eingefangen, an welchem die Zeit stehen geblieben ist und die Trauer alles verdunkelt hat. Zu den starken Bildern, die sich beim Zusehen einprägen, zählen die Aufnahmen des forschenden, in hellen Schutzanzügen umherlaufenden Hauptfigurenpaares Micha und Jana im Watt. Die musikalische Gestaltung von Leonard Petersen unterstützt stets gekonnt die erzeugte Atmosphäre.

Dass "Wir sind die Flut" überdies als (Beziehungs-)Drama funktioniert, ist insbesondere dem Spiel von Max Mauff ("Victoria") und Lana Cooper ("Love Steaks") zu verdanken. Ersterer gibt den rastlosen Nachwuchswissenschaftler mit der nötigen Intensität; Cooper lässt indes die Tragik ihrer Rolle durchschimmern. Die Blicke der beiden, ehe der Abspann einsetzt, haben eine ungeheure Wucht.

Fazit: Der Mix aus Science-Fiction-Story und persönlichem Drama verfügt über interessante Ideen, eine erstaunliche Optik sowie ein talentiertes Ensemble.




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