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Kritik: Der Stern von Indien (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die indisch-stämmige Filmemacherin Gurinder Chadha setzt sich in ihren Filmen seit jeher mit ihren Wurzeln und ihrer Heimat auseinander. International bekannt wurde die 2006 zum "Officer of the British Empire" (OBE) ernannte Regisseurin und Drehbuchautorin Chadha 2002 mit ihrem Film "Kick it like Beckham". Seine Weltpremiere erlebte "Der Stern von Indien" im diesem Jahr auf der Berlinale. Für das Drehbuch ließ sie sich von wahren Ereignissen ihrer Vorfahren inspirieren. Der Titel des Films verweist auf einen britischen Ritterorden, der 1861 von Queen Victoria gegründet wurde. Mit ihm sollten hochrangige Beamte der britischen Kronkolonie ausgezeichnet werden.

Gurinder Chadha vereint in ihrem neuesten, bildgewaltigen Werk üppig ausgestatteten Kostüm-Kitsch mit engagiertem Polit-Kino und zarter Liebes-Romanze. Der Film steckt voller Stimmungen und vielschichtiger Emotionen, ebenso wie er von Menschen unterschiedlichster Kultur, Religion und Herkunft bevölkert wird. Britisch-Indien war 1947 ein Vielvölker-Kolonialreich und die Monate vor und nach der Unabhängigkeit nicht zuletzt immer wieder geprägt von Unruhen, Unstimmigkeiten und religiös motivierter Gewalt.

Kurz nachdem das Riesenreich in zwei Staaten aufgeteilt wurde (das muslimische Pakistan im Norden, das hinduistische Indien im Süden), setzte die größte Völkerwanderung der Neuzeit ein. Muslimische Minderheiten machten sich auf in Richtung Norden, die Hindus im neu gegründeten Pakistan gingen in den Süden.

Das alles – die Unruhen und Grabenkämpfe, aber auch z.B. die friedlichen Proteste von Gandhi sowie die Völkerbewegung – lässt Chadha in ihrem Film anklingen und bedient sich dafür eindringlicher, fesselnder Bilder. Dadurch wird dem Zuschauern klar, wie kompliziert und schwer umsetzbar es doch ist, Menschen unterschiedlicher Überzeugungen und Anschauungen, zu befrieden und zu vereinen. Natürlich bei weitem nicht nur heutzutage, als Auslöser der größten Flüchtlingswelle seit dem Zweiten Weltkrieg. Sondern auch schon in den 40er-Jahren, als man Britisch-Indien zersplitterte – und zwei Staaten neu gegründet wurden. Die Auswirkungen dieser Teilung sind bis heute zu spüren.

Stellvertretend für die Vielfalt an Personen mit unterschiedlichen Religionen und kulturellen Hintergründen im Land, steht der Palast des letzten Vize-Königs mit seinen 500 Bediensteten, die von überall her kommen. Im Mikrokosmos dieser in sich geschlossenen Welt, macht Chadha am Beispiel zweier Liebender, deren Beziehung verboten ist, deutlich, welche Restriktionen und welch gesellschaftlicher Druck, auf den Einzelnen lasteten. Diese Nebenhandlung ist zwar nicht frei von Pathos und Kitsch, ist in ihrer Emotionalität und Intensität aber wie gemacht für jene Zuschauer, die Bollywood-Schmalz lieben.

Fazit: Mit tollen und aufwendigen Kulissen sowie Kostümen ausgestatteter, dringlicher Mix aus Kostüm- und Historien-Drama, Polit-Kino und zarter Liebes-Romanze. Auf detaillierte und authentische Weise vermittelt er die komplexen Vorgänge, die 1947 zur Teilung Britisch-Indiens führten.





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