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Kritik: Molly's Game - Alles auf eine Karte (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

So unglaubwürdig die Geschichte klingt: der Film beruht auf Tatsachen. Über viele Jahre veranstaltete Bloom die exklusivsten und teuersten Poker-Abende, an denen auch Stars wie Tobey Maguire oder Leo DiCaprio teilgenommen haben sollen. 2013 flog sie auf, erhielt ein Jahr auf Bewährung und ihr Vermögen wurde beschlagnahmt. "Molly’s Game" wurde von Aaron Sorkin verfilmt, der sich bisher vor allem als Drehbuchautor einen Namen machte. So verfasste er z.B. die hochgelobten Drehbücher zu Filmen wie "Moneyball", "Steve Jobs" oder auch "The Social Network", für letzteren wurde er mit einem Oscar ausgezeichnet. Seine Premiere feierte der Film Ende 2017 auf dem Toronto International Film Festival.

Dass Regisseur Sorkin zu den fähigsten Drehbuchautoren Hollywoods gehört, merkt man dem Film deutlich an. Denn eine der großen Stärken von "Molly’s Game" sind seine messerscharfen, in einer mörderischen Geschwindigkeit vorgetragenen Dialoge – die Paradedisziplin von Sorkin. Chastain argumentiert und monologisiert sich regelrecht um den Verstand – sowohl auf der Leinwand ganz unmittelbar in der filmischen Realität, aber auch aus dem Off als Erzählerin ihrer eigenen Geschichte. Chastain selbst passt perfekt in die Rolle der zwischen Geltungssucht und überzogenem Gerechtigkeitsempfinden changierenden Frau. Sie passt optisch, vom Alter her und strahlt zudem den nötigen Edel- und Glamour-Faktor aus.

Gelungen ist zudem, dass Sorkin seine komplexe, facettenreiche Hauptfigur nicht nur oberflächlich betrachtet, sondern mit seiner Aufteilung in drei unterschiedliche Zeit- und Handlungsebenen ganz und gar durchleuchtet. Und damit genauer untersucht, wie aus der unbedarften Spitzensportlerin eine kriminelle Event-Veranstalterin mit Vaterkomplex werden konnte. Dafür schaut er sich drei Bereiche und Lebenswege von Bloom genauer an: die Zeit als Spitzensportlerin, die Jahre als erfolgreiche, Millionen-schwere Poker-Königin und die Gerichtsverhandlung ein paar Jahre später (die Gegenwartshandlung im Film).

Auch Idris Elba liefert als gerissener Anwalt – und gewissermaßen als moralische Instanz – eine starke Darbietung. Jaffey ist seiner durchtriebenen Klientin durchaus gewachsen. Vom Intellekt her bewegen sie sich auf Augenhöhe, nur dauert es lange, bis er das schlechte Gewissen oder so etwas wie Reue in Bloom wecken kann. Ganz am Ende macht es sich Sorkin mit seinem Erklärungsversuch, der die Ursache für Blooms Wandlung darlegen soll, ein wenig einfach. Das ist allerdings die einzige nennenswerte Schwäche des ansonsten sehr sehenswerten (Poker-)Dramas.

Fazit: Faszinierende, brillant gespielte filmische Aufarbeitung einer vielschichtigen Persönlichkeit, gespickt mit Rasiermesser-scharfen Dialogen und einer intelligenten Erzählweise.




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