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Unterwegs in der Musik   Die Komponistin Barbara Heller
Unterwegs in der Musik Die Komponistin Barbara Heller

Kritik: Unterwegs in der Musik - Die Komponistin Barbara Heller (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Regisseurin des Films, Lilo Mangelsdorff, lebt und arbeitet als Filmemacherin, Produzentin und Autorin in Frankfurt am Main. Für ihre sehr persönliche Annäherung an das Leben und Werk von Barbara Heller, erhielt Mangelsdorff u.a. die Unterstützung der Frankfurter Maecenia-Stiftung zur Förderung von Frauen in Wissenschaft und Kunst Wenige Künstler haben sich um das Werk weiblicher Musiker und Komponisten so verdient gemacht wie Heller. Der Kampf um die Veröffentlichung von historischer und neuer Musik von Komponistinnen, wurde zu ihrer Lebensaufgabe. Ein Umstand, der für Regisseurin Mangelsdorff, die auf Dokumentationen spezialisiert ist, eine nicht unwichtige Rolle bei der Entscheidung spielte, diesen Film zu drehen. Die Themen Musik, Tanz und Kunst, ziehen sich seit den mittleren 80er-Jahren immer wieder durch ihr filmisches Werk.

"Unterwegs in der Musik" verzichtet auf erklärende Off-Kommentierungen und Informationen per Einblendung, hat diese aber auch gar nicht nötig. Das meiste ist selbsterklärend und vor allem spricht die entwaffnend kluge, hellwache und sympathische Porträtierte mit ihrem Verhalten vor der Kamera – so, wie sie sich gibt – für sich selbst: unverstellt, nicht gekünstelt und jederzeit wissbegierig erscheint Heller, die sich von Mangelsdorff auch bei sehr intimen, persönlichen Momenten über die Schulter schauen und mit der Kamera begleiten lässt. Etwa dann, wenn sie – in Erinnerungen an längst vergangene Zeiten schwelgend – durch ihre Fotoalben blättert. Oder sie von allen jenen Meistern der Kompositionskunst berichtet, mit denen sie im Laufe ihrer Lebens zusammenarbeiten oder bei denen sie in die Lehre gehen durfte: Hans Vogt, Harald Genzmer, Hermann Heiß, David Tudor und viele mehr.

Jederzeit offen und freimütig kündet Heller von der Bedeutung, die Musik für sie besitzt und wie wichtig ihr Klänge und Geräusche allgemein sind. In einer Szene beschreibt sie, dass sie im Prinzip den ganzen Tag über, verschiedenen Gegenständen dabei zuhören könnte, wie sie auf den Fliesenboden fallen. Die Geräusche, die dabei entstehen, üben eine große Faszination auf die 80-jährige aus, die trotz ihres hohen Alters ungemein fit, agil und wach wirkt. Immer wieder setzt sie sich spontan ans Klavier und gibt Kostproben ihrer Kunst. Das alles wirkt dabei stets ehrlich, wahrhaftig und kündet von großer Liebe und Begeisterung für die klassische Musik – immer noch und nach all den Jahren.

Besonders hervorzuheben ist, dass der Film auch auf etwas aufmerksam macht, das vielen Zuschauern vielleicht gar nicht bewusst ist oder – ebenso wie viele Stücke von Komponistinnen, die Heller der Öffentlichkeit wieder ins Gedächtnis rief – in allgemeine Vergessenheit geriet: den schweren Stand, den Frauen viele Jahre auch im Bereich der klassischen Musik hatten. Viele Instrumente waren für sie gar nicht erlaubt und auch das Komponieren war lange Zeit nur den Männern vorbehalten. Auch Heller ging ihrer großen Leidenschaft – dem Komponieren – lange nur im geheimen und stillen nach, auch wegen der Familie. Zum Glück, für alle Freunde der klassischen Musik und der Kompositionskunst, wagte sie irgendwann den Schritt nach vorne. Ein sehenswerter Film über eine beeindruckende Frau.

Fazit: Intime, aufschlussreiche Annäherung an eine mutige, sympathische Künstlerin, deren soziales Engagement in und Anteil an der Frauenbewegung innerhalb der klassischen Musik, nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.





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