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Kritik: Manou - Flieg flink! (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Langfilmdebüt der Regisseure Christian Haas und Andrea Block ist ein schöner Animationsfilm für die ganze Familie. Es handelt sich auch um das Animationsfilmdebüt der von Haas und Block gegründeten Stuttgarter LUXX Studios, die schon für die visuellen Effekte von so namhaften Filmen wie "Grand Budapest Hotel" und "White House Down" zuständig waren. Eine hohe optische Qualität mit attraktiven Landschaften und Kulissen, sowie mit imposanten Flugsequenzen sorgt für ungetrübtes Filmvergnügen. Zu diesem trägt auch die abenteuerliche Handlung bei, die Interesse für die Welt der Vögel und Gefühle für den kleinen titelgebenden Außenseiter weckt.

Hoch über Nizza siedeln zwei ganz verschiedene Vogelkolonien. Der stolze Anführer der Möwen erwartet, dass der von ihm und seiner Frau adoptierte Manou eine vorbildliche Möwe werden soll. Der kleine Junge verzweifelt schier, weil er das nicht schafft. Die Mauersegler, die die zweite Kolonie bilden, haben jedoch nicht weniger Fähigkeiten als die Möwen, nur andere. Es wird nun Manous Aufgabe und Chance sein, eine Brücke zwischen den Möwen und den Mauerseglern zu schlagen und dabei zu erleben, dass er zu beiden Seiten gehören kann. Sein Möwenbruder Luc hängt sehr an Manou und dieser an ihm, sodass sich die beiden weder von den Umständen, noch von den herkömmlich denkenden Erwachsenen trennen lassen wollen. Es wird sich zeigen, dass auch die stolzen Möwen manchmal Helfer in der Not brauchen. Als hilfreich erweist sich sogar der schrullige Einzelgänger Percy, ein flugunfähiger Truthahn, der einem Käfig auf dem Markt von Nizza entflohen ist und sich mit Manou anfreundet.

Die über mehrere spannende Etappen laufende Coming-of-Age-Geschichte Manous ist sehr ansprechend bebildert. Vor allem fallen die realistisch wirkenden Landschaften auf, die Steilküste über Nizza mit den Felsen, Wasserfällen, Schluchten. Sie bietet ein herrliches Areal für die rasanten Flüge, die Manou samt Gefolge absolviert. Diese führen auch durch Ruinen von Gebäuden, die aus Nizzas prächtiger Fin-de-siécle-Ära stammen. Die Stadt verfügt über mediterranes Straßenleben und eine verträumte Gründerzeit-Nostalgie. Einnehmend ist auch der Tonfall des Films, denn er fällt weder zu niedlich, noch schrill aus.

Fazit: Der erste Animations-Spielfilm der Stuttgarter Effekte-Schmiede Luxx Studios erweist sich als rundes Kinovergnügen auf hohem technischen Niveau. Die abenteuerliche Coming-of-Age-Geschichte eines jungen Mauerseglers, der von Möwen adoptiert wurde und feststellen muss, dass er nicht wie die anderen ist, weckt Gefühle, ohne niedlich oder gar rührselig zu wirken. Eine gute Mischung unterschiedlicher Vogel-Charaktere vom Tollpatsch bis zur Respektsperson sorgen für kurzweilige, von lustigen Momenten durchzogene Unterhaltung. Besonders beeindruckend sind die realistisch wirkenden Hintergründe mit mediterranem Flair und die vielen virtuosen Flugsequenzen.





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