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Kritik: Wer war Hitler (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Die Eckdaten aus Adolf Hitlers Leben sind hinlänglich bekannt. Es gibt unzählige Spielfilme, Romane, Sachbücher und Dokumentationen über den nationalsozialistischen Diktator. Regisseur Hermann Pölking geht daher einen anderen, ungewöhnlichen Weg. Interviews mit Experten oder Zeitzeugen gibt es bei ihm keine. Auch auf nachgestellte Szenen, wie so häufig und in der Regel schlecht im TV-Dokutainment zu sehen, verzichtet er. Stattdessen mischt Pölking weitgehend unveröffentlichtes Archivmaterial mit Zitaten, die Sprecher unter Nennung des Zitierten aus dem Off vortragen. Sabine Falkenberg und Gabriele Blum ordnen die historischen Ereignisse mit ihren Kommentaren ein. Der Schauspieler Jürgen Tarrach spricht Adolf Hitler.

Schnell wird klar, welche Mammutaufgabe Pölking und sein Team bereits für die Recherche ihres Dokumentarfilms stemmen mussten. Mehr als 120 Archive in 14 Ländern haben sie durchforstet, 850 Stunden Material gesichtet und die brauchbaren Stellen der analogen Trägermedien digitalisiert. Die zumeist stummen Privataufnahmen wurden nachvertont und zu einem nicht enden wollenden Bilderfluss montiert. 125 Sprecher schlüpften in die Rollen der mehr als 300 Zitierten. Neben der auf dreieinviertel Stunden gekürzten Kinoversion hat Pölking auch eine 460 Minuten lange Festivalfassung erstellt. Auf dem Papier ein spannendes, spektakulär anmutendes Unterfangen.

Doch Pölkings Films ist eine furchtbar fade Fleißarbeit, die Hitlers Leben von der Wiege bis zur Bahre chronologisch abschreitet. "Wer war Hitler" bietet kaum Mehrwert, der über den klassischen Schulunterricht hinausgeht. Die Auswahl des Archivmaterials, das nach Angaben des Regisseurs hauptsächlich aus privaten Amateuraufnahmen besteht, soll wohl ein allgemeines Bild der deutschen Gesellschaft vermitteln, wirkt aber stets beliebig. Auf die im Titel angedeutete Frage gibt Pölking durch 14 Kapitelüberschriften, die vom "Tunichtgut" bis zum "Selbstmörder" reichen, erschreckend banale Antworten. Zudem versteigt sich der Kommentar in manch steile These. Da wird Hitler während seines Militärdiensts schnell zum Außenseiter, weil er auf den Fotos jener Zeit stets am Rand steht. Ist dann auch einmal eines darunter, dass den späteren Führer in der Mitte zeigt, bleibt dies unkommentiert. Auch mit der Wahl manches Sprechers beziehungsweise mit dessen Sprechweise tut sich der Film keinen Gefallen. Jürgen Tarrachs Gebrabbel soll wohl an Hitlers Idiom erinnern, kippt aber beständig ins unfreiwillige Komische.

Fazit: Hermann Pölkings Mammutdokumentarfilm "Wer war Hitler" ist vor allem eins: lang. Abseits der akribischen Recherche samt gelungener Montage des Ausgangsmaterials bietet diese Annäherung an den Diktator aber keinen nennenswerten Mehrwert.





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