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Maikäfer, flieg! (2016)

Maikäfer flieg

Verfilmung von Christine Nöstlingers gleichnamigem Kinder- und Jugendbuch.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.5 / 5

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Wien, April 1945: Die Familie der neunjährigen Christl (Zita Gaier) ist ausgebombt. Während die Großeltern (Krista Stadler, Heinz Marecek) in den Überresten ihrer Wohnung zurückbleiben, quartiert Christls Mutter (Ursula Strauss) sich und ihre beiden Töchter eigenmächtig in der leer stehenden Villa der Familie von Braun ein, in der sie als Putzfrau gearbeitet hat. Dort bleiben die drei Frauen nicht lange allein. Erst stößt der desertierte Vater (Gerald Votava), dann Frau von Braun jr. (Bettina Mittendorfer) mit ihrem Sohn Gerald (Lino Gaier) hinzu, bevor schließlich die Russen einmarschieren und die Villa in Beschlag nehmen.

Während die Erwachsenen den Fremden mit viel Misstrauen und Angst begegnen, nähert sich Christl dem schönen Major (Denis Burgzaliev), dem jähzornigen Feldwebel (Ivan Shvedoff), den Soldaten Iwan (Markus Schwärzer) und Ludmilla (Lissy Pernthaler) mit unvoreingenommener Neugier. Besonders der Feldkoch Cohn (Konstantin Khabensky), einst Schneider in Leningrad, der im Lusthäuschen des Gartens eine Küche einrichtet, hat es der Neunjährigen angetan. In den verbleibenden Wochen bis zum Kriegsende erleben Christl, ihre Schwester (Paula Brunner), Gerald und das Nachbarskind Lana (Mae Lopicic), die alle nur Engel nennen, eine aufregende Zeit mit den ungebetenen Gästen.

Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Die 1936 in Wien geborene Christine Nöstlinger ist eine der bekanntesten und meistgelesenen deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuchautorinnen. 1973 erschien ihr autobiografischer Roman "Maikäfer, flieg!", den Regisseurin und Drehbuchautorin Mirjam Unger nun äußerst gelungen und in wunderschönen Cinemascope-Aufnahmen verfilmt hat. Der Adaption gelingt es vor allem, Nöstlingers subjektiven, kindlich-ironischen, zutiefst menschlichen Grundton zu treffen.

Wer die Vorlage kennt, könnte diverse Episoden, ja ganze Figuren vermissen. Doch für die Dramaturgie eines Spielfilms, der nicht an allen Ecken und Enden ausfransen soll, ist diese Reduktion unablässig. Das fängt bei der erzählten Zeit an. Während das Buch bereits 1944 einsetzt und bis zum Kriegsende dauert, packt der Film all seine Ereignisse in die letzten Kriegswochen 1945. Unger und ihre Koautorin Sandra Bohle streichen behutsam, verdichten klug, führen wiederholt mehrere Handlungsstränge in nur einer Sequenz oder die Geschwister von Braun in nur einem einzigen Charakter, Gerald, zusammen. Wer den Inhalt des Buchs nicht mehr präsent hat, dem dürfte das gar nicht auffallen.

Um den subjektiven Ton der neunjährigen Erzählerin zu treffen, begibt sich Eva Testors Kamera auf deren Augenhöhe, blickt mit Christl (hin- und mitreißend: Zita Gaier) durch eine blaue Christbaumkugel auf die Welt oder lugt gemeinsam mit ihr und Gerald durch Zaunlatten hindurch und hinter dichtem Blattwerk hervor. Es ist eine aus den Fugen geratene, eine verzerrte Welt. Hier hat das Medium Film gegenüber der Romanvorlage gar einen Mehrwert, vermittelt es in diesen Szenen das Geschehen doch direkt, werden wir Zuschauer gemeinsam mit den Kindern Zeuge der Ereignisse.

Die Verdichtung führt zwangsläufig aber auch zu Abstrichen. Vor allem das Verhältnis zwischen Christl und dem Feldkoch Cohn (Konstantin Khabensky) kommt deutlich zu kurz. Dafür entschädigt der Rest des Films, der sein junges Zielpublikum ernst nimmt und ihm einiges abverlangt. Das fängt bei der Entscheidung an, die Russen Russisch sprechen zu lassen und zu untertiteln, und hört damit auf, auch die Schattenseiten des Krieges (kindgerecht) zu zeigen.

Fazit: "Maikäfer, flieg!" ist die gelungene Verfilmung des gleichnamigen Romans. Regisseurin Mirja Ungers Drama aus der Sicht einer Neunjährigen ist ein mitreißendes Plädoyer gegen den Krieg und dafür, Fremden unvoreingenommen zu begegnen.




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Land: Österreich
Jahr: 2016
Genre: Drama
Länge: 109 Minuten
Kinostart: 27.04.2017
Regie: Mirjam Unger
Darsteller: Paula Brunner, Hilde Dalik als Erzengel, Zita Gaier als Christine
Verleih: W-Film

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