VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Dem Horizont so nah (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Dieses romantische Drama für die Zielgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jessica Koch, in dem sie eine selbst erlebte Liebesgeschichte erzählt. Der Regisseur Tim Trachte ("Abschussfahrt") und die Drehbuchautorin Ariane Schröder ("Hin und weg") fügen dem Genre der Filme, in denen eine junge Liebe vor dem Hintergrund des nahen Todes hell auflodert, ein ansehnliches Exemplar hinzu. Wer sich wundert, dass der Protagonist Danny wegen einer HIV-Infektion nicht mehr lange zu leben hat, sollte sich vor Augen führen, dass die Geschichte in den 1990er Jahren spielt. Das wird im Film nicht immer so klar, weil er zugleich auch Wert auf eine gewisse Gegenwartsnähe legt.

Danny wirkt über weite Strecken körperlich fit, scheint ein sehr erfolgreicher junger Mann zu sein. Aber seine Seele ist schwer belastet wegen der Gewalt, die ihm sein eigener Vater zufügte. Jannik Schümann bemüht sich, Danny eine Verschlossenheit zu verleihen, in der eine schmerzliche Düsternis mitschwingt. Allerdings ist seine Rolle nicht darauf angelegt, viel von seiner inneren Zerrissenheit zu offenbaren.

Für das Gefühl ist eher Jessica zuständig, die Dannys Tragödie als ihre eigene erlebt, je mehr sie zu ihm hält. Luna Wedler überzeugt in dieser Rolle, in der sie einige Tränen vergießt, während sie innerlich reift. Jessica ist aufgewühlt und kämpft kühn um die schönen Momente, das große Glück, und sei es noch so kurz. Mit der Figur der psychisch labilen Tina kommt noch mehr Spannung in die Geschichte, und in weiteren Nebenrollen geben sich bekannte Schauspieler wie Denis Moschitto und Frederick Lau die Ehre.

Der Film durchläuft an Jessicas Seite das Drama, indem es seine nicht geringen Abgründe zwar benennt, sich aber hütet, zu tief hineinzuschauen. Der rote Faden der Liebe wird ohne große Umwege ausgerollt. Das gibt der Geschichte etwas Flüchtiges, Geglättetes. Schön sind allerdings die Bilder, auch im späteren Verlauf, wenn das Paar auf einer Reise die Freiheit der Straße genießt wie in alten Roadmovies. Die romantische Atmosphäre wird zudem von Popsongs wie "To Love Somebody" oder "I Want to Know What Love Is" unterfüttert. Tiefgründig oder tief bewegend ist das alles eher nicht, aber vor allem junge Leute dürften sich schon emotional angesprochen fühlen.

Fazit: Unter der Regie von Tim Trachte bekommen die jungen Schauspieler Luna Wedler und Jannik Schümann einen großen Auftritt als Liebespaar im Angesicht des nahenden Todes. Die romantische Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Erlebnisroman von Jessica Koch und erzählt von einer 18-jährigen Frau, die sich in einen attraktiven, aber psychisch schwer verwundeten und auch noch mit HIV infizierten Mann verliebt. Dabei wächst sie über sich selbst hinaus in einem schön bebilderten, aber manchmal zu rasch über die Abgründe hinwegtänzelnden Drama. Dessen Botschaft, für die Liebe alles zu geben und das Glück des Augenblicks auszukosten, ist jedoch klar vernehmlich.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.