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Kritik: Free Fire (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit "Kill List" (2011) bewies der Brite Ben Wheatley sein Gespür für Atmosphäre; in "Sightseers" (2012) lieferte er herrlich schwarzen Humor – und seine J.G.-Ballard-Adaption "High-Rise" (2015) hinterließ nicht zuletzt durch den virtuosen Musikeinsatz einen tiefen Eindruck. All diese Qualitäten finden sich erfreulicherweise in Wheatleys neuer Arbeit "Free Fire" wieder, bei welcher kein Geringerer als Gangsterfilm-Papst Martin Scorsese als ausführender Produzent mit an Bord war. Das Setting einer stillgelegten Fabrik, in der einst Regenschirme hergestellt wurden, ist in seiner Heruntergekommenheit ein wunderbarer Schauplatz für einen Actionfilm, den man zugleich als Kammerspiel (von der bleihaltigen, explosiven Sorte) bezeichnen kann. Überdies tragen die Farbgebung der Bilder sowie die hübsch hässliche Siebzigerjahre-Garderobe der Agierenden zur Erzeugung eines Retro-Flairs bei. Für den fiesen Witz sorgen wiederum diverse one-liner; und die Art und Weise, wie John Denvers Country-Evergreen "Annie's Song" in die Inszenierung integriert wird, ist wahrlich bemerkenswert.

Dennoch kann Wheatley mit "Free Fire" nicht an die Stärke seiner Vorgängerwerke und ebenso wenig an die Wucht seiner offenkundigen Vorbilder (etwa die Sam-Peckinpah-Meisterstücke "The Wild Bunch" und "Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia") anknüpfen: Wenn das kriminelle Personal des Films auf dem Boden herumkriecht, wild um sich schießt und ungehemmt schreit, flucht und lamentiert, ist das zwar fraglos unterhaltsam – es fehlt aber letztlich die Spannung, die zum Beispiel in "Sightseers" durch die Unberechenbarkeit des zentralen Duos oder in "High-Rise" durch die surreal-enigmatische Anmutung des Geschehens stets vorhanden war. Das Drehbuch von Wheatley und Amy Jump lässt leider eine originelle Zeichnung der Auftretenden vermissen; es ist nahezu unmöglich, als Zuschauer_in Interesse an den Figuren zu entwickeln.

Brie Larson ("Raum") als Justine und Cillian Murphy ("Batman Begins") als Chris bleiben recht blass; ihre Co-Stars Sharlto Copley, Armie Hammer, Sam Riley und Jack Reynor haben dankbarere Parts, die mehr Verrücktheiten erlauben. Allerdings bieten auch deren Rollen kaum etwas, was man nicht schon in vielen anderen Genrevertretern (besser) gesehen hat. Ebenso ist die Splatter-Drastik im Verlauf der langwierigen Schießerei längst zum Mainstream geworden und daher wenig überraschend, geschweige denn subversiv. So ist das Ganze eine gut choreografierte Film-Routine, doch gewiss keine herausragende Arbeit in Wheatleys Œuvre.

Fazit: Ein visuell ansprechender, kurzweiliger Gangsterfilm, der Wheatleys handwerkliches Können demonstriert, aber in der Figurenzeichnung nicht zu überzeugen vermag und somit rasch an Spannung einbüßt.




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