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Kritik: Madame (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Madame" ist der neue Film der französischen Drehbuchautorin, Filmemacherin und Schriftstellerin Amanda Sthers. Sie schrieb bisher zehn Romane, die in vierzehn Sprachen übersetzt wurden. Obwohl sie als Regisseurin außerhalb ihrer französischen Heimat noch weitgehend unbekannt ist, konnte sie für "Madame" namhafte US-amerikanische Schauspieler gewinnen. Darunter: den weltbekannten Method-Actor Harvey Keitel ("Taxi Driver", Pulp Fiction") und Toni Collette, die u.a. in "Little Miss Sunshine", "Hitchcock" oder auch "XXX – Die Rückkehr des Xander Cage", mitgewirkt hat. Die Dreharbeiten für "Madame" dauerten sechs Wochen und fanden im Sommer 2016 statt.

"Madame" ist eine bissige, fantastisch gespielte Mischung aus Tragikomödie, Gesellschaftssatire und modernem Aschenputtel-Märchen, bei der er es Regisseurin Sthers vor allem um eines geht: die Scheinheilig- und Widersprüchlichkeit der sog. Oberschicht, der "besseren Gesellschaft" also, offenzulegen. Und ihr damit rigoros den Spiegel vorzuhalten. Denn zunächst vermitteln der zweite Spielfilm von Sthers bzw. die von Toni Collette herrlich cholerisch und (im weiteren Verlauf des Films) despotisch gespielte Annie den Eindruck, dass es jeder in die "Upper Class" schaffen kann. Und dass ein jeder, etwa ein armes, mittelloses Dienstmädchen wie Maria, die gleichen (Aufstiegs-)Chancen hat.

Doch dass dem nicht so ist und sich die High-Society eben doch vor allem durch den schönen, gelackten Schein und eine glattpolierte Oberflächlichkeit auszeichnet, wird nach dem Ende des Dinners klar. Denn als Annie bemerkt, dass sich der reiche David tatsächlich für Maria (eine Art modernes, etwas in die Jahre gekommenes Aschenputtel) interessiert, verändert sich Annie. Dann wird aus der kultivierten, taktvollen High-Society-Lady ein unsympathisches, kleingeistiges Biest, das nur darauf Bedacht ist, ihren guten Ruf zu wahren. Und die verhindern will, dass eine Frau aus einfachen Verhältnissen tatsächlich eine Beziehung zu einem gut betuchten Mann, beginnt. Denn das ist in ihrer Welt unvereinbar.

"Wie ein Autounfall in Zeitlupe" bezeichnet Annie in einer Szene die Tage nach dem Dinner, wenn "Aschenputtel" Maria und ihr Märchenprinz immer mehr Zeit miteinander verbringen. Und die Beiden schnell ernste Gefühle füreinander entwickeln. In diesen Momenten ändern sich zudem Tonart und Dynamik des Films, wenn aus der kammerspielartigen Komödie (dem Dinner), eine immer bissigere Tragikomödie wird, in der auch viel Melancholie mitschwingt. Und sich bei vielen Figuren langsam aber sicher Abgründe auftun und Geheimnisse ans Licht kommen, die bislang gelungen überspielt und gewahrt wurden (etwa eine außereheliche Affäre oder ein drohender Bankrott). Und an dieser Stelle zeigt sich wieder der schöne Schein, die Oberfläche, hinter denen Lügen, Frust und Ängste lauern.

Fazit: Mit geschliffenen Dialogen und überzeugend agierenden Darstellern ausgestatteter Mix aus Tragikomödie, Gesellschaftssatire und modernem Aschenputtel-Märchen.




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