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Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir...n sie
Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie
© Capelight Pictures

Kritik: Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

In ihrem vierten abendfüllenden Spielfilm hat Regisseurin Ry Russo-Young Lauren Olivers gleichnamigen Jugendroman "Before I Fall" verfilmt. Der deutsche Titel ist nicht nur ellenlang, sondern auch irreführend. Schließlich zieht an der Schülerin Samantha (Zoey Deutch) nicht ihr ganzes Leben, sondern lediglich der letzte Tag ihres Lebens (mehrfach) vorbei. Bereits Olivers Vorlage bediente sich recht großzügig an der Filmkomödie "Und täglich grüßt das Murmeltier" (1993), mischte etwas Chaostheorie unter und strukturierte den Plot gemäß Elisabeth Kübler-Ross' fünf Phasen des Sterbens. In Russo-Youngs Adaption durchläuft die Hauptfigur diese Phasen deutlich beiläufiger, wie der Film insgesamt recht oberflächlich bleibt.

Angesichts der Welt, durch die sich Samantha und ihre Freundinnen bewegen, ist dies zunächst nicht verwunderlich. Popularität bemisst sich darin lediglich in Äußerlichkeiten. Die Persönlichkeit dahinter interessiert keinen. Von den Interieurs der mondänen Familienanwesen über die Mensa der architektonisch eindrucksvollen Schule bis hin zum äußeren Erscheinungsbild der Teenager, ja selbst dem der Außenseiter unter ihnen, ist alles bis ins kleinste Detail durchdesignt. Hier ist alles makellose Oberfläche, von der sich auch Russo-Youngs Kameramann Michael Fimognari anstecken lässt und in ebenso kühlen, makellosen Bildern auf den Film überträgt. Ein Mystery-Drama wie aus einem Modekatalog, in dem selbst die unvorteilhaft angezogenen und frisierten Jugendlichen viel zu schick und ziemlich austauschbar erscheinen.

Das wäre alles zu verschmerzen, versuchte "Wenn du stirbst ..." an dieser Oberfläche zu kratzen, die Figuren hinter ihren hübschen oder (vorgeblich) hässlichen Fassaden freizulegen. Doch dafür gibt ihnen Maria Maggentis Drehbuch zu wenig Persönlichkeit mit. Und so flüchtet sich der Film wiederholt in bedeutungsschwere Monologe aus dem Off, wo Dialoge und das Aufeinanderprallen der Figuren vonnöten wären. Wenn sie die Gelegenheit dazu erhalten, machen die Nachwuchstalente, allen voran Zoey Deutch und Halston Sage, das Beste daraus. Die Themen Mobbing und ein Sinn im Leben werden allerdings stets mehr behauptet als ernsthaft verhandelt.

Dass danach durchaus Bedarf besteht, haben jüngst die Reaktionen auf die Webserie "Tote Mädchen lügen nicht" (Original: "13 Reasons Why") gezeigt, die ein ähnliches Thema bei allem vergleichbaren Oberflächenglanz deutlich vielschichtiger und tiefgründiger bearbeitet.

Fazit: Der neue Film von Regisseurin Ry Russo-Young ist ein schön fotografiertes und gut gespieltes Mystery-Drama mit einer richtigen und wichtigen Botschaft, das aber viel zu sehr an der Oberfläche verharrt.




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