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Die Reise der Pinguine 2
Die Reise der Pinguine 2
© Central Film © Wild Bunch

Kritik: Die Reise der Pinguine 2 (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"Die Reise der Pinguine" entwickelte sich 2005 zur zweiterfolgreichsten Kino-Doku aller Zeiten. Allein hierzulande sahen fast anderthalb Millionen Menschen den Film – für eine Doku eine bis dato nicht gekannte Größenordnung. Nun, zwölf Jahre nach diesem Megaerfolg, meldet sich Regisseur Luc Jacquet mit der Fortsetzung zurück. Der 49-jährige Filmemacher, Drehbuchautor und Kameramann, nutzte für seine Aufnahmen modernste Technik: so kamen z.B. hochauflösende 4K-Ultra-HD-Kameras und Drohnen zum Einsatz. In den vergangenen zwölf Jahren war der Tierdoku-Experte aber nicht untätig. So drehte er u.a. mit "Das Geheimnis der Bäume" eine weitere Naturdokumentation, die sich mit dem Lebenskreislauf von Bäumen befasst.

Lobenswert ist, dass Jacquet bei "Die Reise der Pinguine 2" auf die störende Vermenschlichung der Tiere verzichtet. In der Fortsetzung bleiben dem Kinobesucher daher zum Glück Bilder von Kaiserpinguinen erspart, die – ausgestattet mit menschlichen Stimmen – Dialoge über das Überleben in und die Gefahren der Eiswüste führen. Auch nimmt die schwülstige (pop-) musikalische Untermalung einen nicht mehr einen ganz so entscheidenden Part ein. Dass Jacquet auf die Vermenschlichung verzichtet und die Tiere Tiere sein lässt, ist gut für den Film und lenkt die Aufmerksamkeit auf die größte Stärke: die visuelle Brillanz und die erhabenen Aufnahmen der Tiere aus der Luft, unter Wasser und vom Eis aus.

Der Film präsentiert jene prächtigen, beeindruckenden Natur-Bilder in selten gesehener Schärfe und Plastizität. Darunter: atemberaubende Luftaufnahmen von riesigen Pinguin-Schwärmen und einige hypnotisch anmutende Unterwasser-Szenen. Die Aufnahmen zeigen die Pinguine in ihrem Element und natürlichem Lebensraum. Und: wie sie mit diesem voll und ganz verschmelzen. Leider kann es sich Jacquet erneut nicht verkneifen, etliche, auf die Emotionen des Zuschauers abzielende Zeitlupen-Sequenzen in seinen Film einzubauen. Und auch wenn die musikalische Untermalung diesmal in den Hintergrund rückt: einige der Instrumentalstücke überschreiten die Grenze zum theatralischen Kitsch.

Der Höhepunkt in Sachen Pathos findet sich am Ende. Nach der kräftezehrenden Reise durchs Eis, erreichen die Jungtiere endlich den Ozean. Jedoch dauert es noch bis der Film deren Sprung ins Wasser zeigt. Denn endlos dehnt Jacquet die Zeit bis zum Sprung ins kühle Nass, sodass diese Szenen vom Zuschauer einiges an Geduld einfordern. Außerdem nutzt er in diesen Sequenzen zwecks Emotionalisierung wiederholt schmalzige Klänge und die geliebte Zeitlupe.

Inhaltlich bietet der Film darüber hinaus keinen Mehrwert. So war bereits im Erstling zu sehen, wie zermürbend und gefahrvoll die Strecke von der Brutstelle zum Ozean doch ist. Zwar legt Teil zwei nun seinen Schwerpunkt auf den Nachwuchs, aber auch hier geht es doch in erster Linie wieder um die "Reise der Pinguine" zum Meer. Immerhin hält der Filmtitel damit, was er verspricht.

Fazit: "Die Reise der Pinguine 2" konzentriert sich auf den Pinguin-Nachwuchs, der sich allein auf den Weg zum Ozean macht. Dank modernster, hochauflösender Film- und Kameratechnik, bietet der Film brillante, an Plastizität kaum zu überbietende Bilder und spektakuläre Luftaufnahmen. Leider frönt Regisseur Luc Jacquet erneut seiner Lust am verschwenderischen Einsatz kitschig-pathetischer Gestaltung- und Stilmittel. Und inhaltlich liefert der Film darüber hinaus nichts Neues.





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