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Rückkehr zum Land der Pinguine (2024)

Continent Magnétique

In diesem französischen Dokumentarfilm reist Regisseur Luc Jacquet ein weiteres Mal an den Südpol.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 2 / 5
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Der französische Regisseur Luc Jacquet ist nicht zum ersten Mal in der Arktis unterwegs. Dieses Mal spielen die dort getroffenen Tiere – von putzigen Pinguinen bis zu einem erstmals im Leben mit eigenen Augen gesehenen Seeleopardenbaby – aber nur eine untergeordnete Rolle. Im Zentrum steht der Filmemacher selbst, seine Gefühle und Gedanken. Über Patagonien und das Kap Hoorn reist er bis zum südlichsten Punkt der Erde, an dem man den Erdball mit wenigen Schritten einmal umrunden kann. Die Rückkehr an diesen Sehnsuchtsort hat er mit der Kamera festgehalten.

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"Rückkehr zum Land der Pinguine": Zwischen Poesie und Pathos

Ein Mann schreitet durch eine majestätische Gebirgslandschaft, der Wind streicht durch seinen weißen Bart. Es sind "die Anden, diese südlichsten Wälder der Welt", lässt er sein Publikum aus dem Off wissen. Die Kamera holt weit aus, gleitet zwischen Felswänden hindurch, schwebt wie ein Condor über dem Tal. An einer Stelle weht der Wind so stark, dass der Mann dieser Naturgewalt sein ganzes Gewicht entgegenstemmen muss, um nicht von den Füßen geholt zu werden. Er heißt Luc Jacquet und macht hier nicht zum ersten Mal Zwischenstation. Der Filmemacher ist auf dem Weg zur Antarktis, die ihn wie ein Magnet anzieht, seit er sie das erste Mal besucht hat. Um dorthin zu gelangen, hat er die Route über Südamerika und das Kap Hoorn gewählt. Und wie von Jacquet nicht anders gewohnt, enthält bereits der Einstieg auch seines jüngsten Films all dessen Stärken und Schwächen.

Mit dem Dokumentarfilm "Die Reise der Pinguine" (2005) errang Jacquet Weltruhm. Seither hat der 1967 geborene Franzose seine Arbeitsweise nicht sonderlich verändert. Auch "Rückkehr zum Land der Pinguine" ist ein visuell betörender, formal perfekter Film mit großem Hang zum Kitsch, Pathos und zur Rührseligkeit. Der deutsche Verleihtitel ist allerdings irreführend. Denn anders als noch in "Die Reise der Pinguine" und in "Die Reise der Pinguine 2" (2017) spielen die possierlichen Tierchen dieses Mal nur eine Nebenrolle. Im Original heißt diese Doku "Voyage au pôle sud", was ins Deutsche übersetzt "Reise zum Südpol" bedeutet. Und genau darum geht es: wie der Regisseur abermals in Richtung des Endes der Erde aufbricht und was dies in ihm auslöst.

Betörendes, Banales, Ärgerliches

Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen des Kameramanns Christophe Graillot sind betörend, stellen aber auch das ästhetische Entscheidungsvermögen des Regisseurs infrage. In einem Statement zum Film gibt Luc Jacquet zu Protokoll, dass es sein Ziel gewesen sei, "weg vom Realismus, hin zu einer emotionalen Beziehung zu gelangen". "Ich wollte eine Geschichte von Landschaften der Seele erzählen", führt Jacquet diesen Gedankengang weiter aus. Angesichts der recht banalen Einblicke ins Innere des Regisseurs muss die Frage jedoch erlaubt sein, ob es nicht besser gewesen wäre, den Film in Farbe zu drehen. An einer einzigen Stelle, an der der Film für einen kurzen Moment zur Farbe wechselt und das reine Blau des Eises offenbart, wird all das Potenzial sichtbar, das Jacquet durch seine Entscheidung für Schwarz-Weiß verschenkt hat.

In der deutschen Synchronisation leiht Schauspieler Ronald Zehrfeld Luc Jacquet seine Stimme. Der von Zehrfeld gesprochene Kommentar ist getragen. Restlos überzeugend ist er wie schon in Jacquets vorangegangenen Filmen nicht. Dafür pendelt das Gesagte zu sehr zwischen Poesie und Pathos, zwischen Kontemplation und Kalenderspruch. Es fallen Sätze wie diese: "Wir müssen loslassen. Nichts verbindet uns mehr mit der Wirklichkeit. Aber lass dich nicht täuschen von der scheinbaren Einfachheit der Landschaft und der Unendlichkeit der Stille. Wenn du die Augen schließt, wenn du warten kannst, werden insgeheim tausend Dinge passieren." Dick aufgetragenes Geschwurbel wie dieses verleiht dem Film stellenweise eine unfreiwillige Komik.

Erschwerend hinzu kommt, dass der Kommentator kaum Pausen macht. Die betörenden Bilder dürfen fast nie für sich selbst sprechen. So gut wie jede Einstellung wird von einem Textteppich zugedeckt. Richtig ärgerlich wird es schließlich, wenn Ruhe angebracht wäre, ja der Regisseur diese in seinem Kommentar explizit einfordert ("Hör genau hin! […]"), das Kinopublikum indessen aber überhaupt nicht richtig hinhören kann, weil das Gequatsche selbst in diesen Momenten nicht verstummt. "Die Weite des Panoramas, der brutale Gegensatz von Weiß und Schwarz machen den Blick frei und schicken den Geist auf Reisen", sagt der Filmemacher an einer Stelle, als er sich bis an den Rand eines Felsvorsprungs im ewigen Eis vorgewagt hat. Gern würde man auch im Kinosaal seinen Geist auf Reisen schicken. Es scheitert daran, dass einem der Kommentar ständig vorkaut, was man zu denken hat.

Fazit: Der französische Filmemacher Luc Jacquet macht auch in seinem neuesten Film das, was er am besten kann: atemberaubende Landschaften atemberaubend festhalten und mit einem Kommentar zukleistern, der zwischen Poesie, Pathos und Prätention schwankt. Wer darin aufgeht, die Natur bedeutungsschwanger zu überfrachten, wird diesen Film lieben. Allen anderen bleiben zumindest die unbestreitbar betörenden Bilder.




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Besetzung & Crew von "Rückkehr zum Land der Pinguine"

Land: Frankreich
Jahr: 2024
Genre: Dokumentation
Originaltitel: Continent Magnétique
Länge: 82 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 15.02.2024
Regie: Luc Jacquet
Darsteller: Luc Jacquet
Kamera: Jérôme Bouvier, Christophe Graillot
Verleih: MFA Film

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