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Kritik: Ihre beste Stunde - Drehbuch einer Heldin (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Der auf dem Roman "Their finest hour and a half” basierende Film wurde von der dänischen Drehbuchautorin und Regisseurin Lone Scherfig inszeniert. Scherfig erregte in erster Linie durch ihre reduzierten Dogma-Filme zu Beginn des neuen Jahrtausends, erste Aufmerksamkeit. Ihr großer internationaler Durchbruch aber folgte erst 2009: mit dem Coming-of-Age-Drama "An Education". "Ihre beste Stunde" wurde 2015 hauptsächlich in London und der walisischen Grafschaft Pembrokeshire gedreht. An der Kasse erwies sich der Film bisher nicht als Kassenerfolg. In den ersten Wochen nach seinem Start, betrug sein weltweites Einspielergebnis erst rund 12 Millionen Dollar.

Manch ein Kritiker warf dem Film vor, sich nicht zwischen den einzelnen, eingeschlagenen Richtungen und Genres entscheiden zu können: will er eher historisches Drama über die Zerstörungen Londons im Luftkrieg mit Deutschland sein? Eine augenzwinkernde Satire über das von Männern dominierte Filmbusiness? Oder doch eher eine leichte Komödie in bester Screwball-Tradition? Das Besondere an "Ihre beste Stunde" ist: der Film ist in gewisser Weise alles zugleich und das auf beständig hohem Niveau.

Tragik und Komik liegen ganz dicht beisammen, wenn in einem Moment aufgrund der pointierten, messerscharfen Dialoge herzlich gelacht wird. Aber nur kurz darauf die Sirenen aufheulen und London wieder einmal von einem zerstörerischen Bombenangriff getroffen wird. Das ruft dem Zuschauer wieder in Erinnerung, in welch dramatischer Zeit der Film eigentlich spielt bzw. die Handlung angesiedelt ist. Die Set- und Produktionsdesigner leisteten hier ganze Arbeit. Die schauerlichen, düsteren Bilder der zerstören Gebäude, der Bombenkrater inmitten der Stadt und der Panik im Luftschutzbunker, vermitteln ein authentisches Bild von der damaligen Atmosphäre und der allgegenwärtigen Angst der Menschen.

Dennoch überwiegen in "Ihre beste Stunde" die locker-leichten, humorvollen Töne. Das liegt zum an einen den schon erwähnten bissigen, klugen Dialogen und dem verbalen Kräftemessen zwischen den Geschlechtern. Gerade Catrin und der teils doch arg hämisch und verächtlich auftretende Tom liefern sich tolle Wortgefechte. Catrin ist zwar durchaus selbstsicher und weiß ob ihrer Stärken, gibt sich aber zu keiner Zeit überheblich oder blasiert. Dennoch bahnen sich allmählich Gefühle zwischen den Beiden an. Zumal sich Catrin – insgeheim – schon von Beginn an zu Tom hingezogen fühlt, sich dies aber zunächst nicht eingestehen kann. Die Chemie zwischen Gemma Arterton und Sam Claflin stimmt zu jeder Zeit, nichts wirkt gekünstelt oder aufgesetzt.

Großartig ist auch Bill Nighy als sich mondän gebender, kultivierter Star am Set, der mit seinen Allüren aber nicht allzu oft hinterm Berg hält – zu Beginn gerade auch Catrin gegenüber. Nighy stiehlt Arterton und Claflin durchaus ab und an die Show und ist für die meisten Lacher im Film verantwortlich.

Fazit: Umwerfend gespielte, ausgewogen zwischen Tragik und Komik ausbalancierte Mischung aus Kriegs-Drama, leichtfüßiger Komödie und zarter Liebesgeschichte.





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