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Kritik: Abgeschnitten (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Regisseur Christian Alvart ("Pandorum") legt einen grimmigen Thriller vor, dessen Reichtum an grausigen Ereignissen und Bildern den Zuschauern einiges abverlangt. Die Geschichte über einen sadistischen Serienkiller und in Leichen abgelegte Hinweise an einen Rechtsmediziner, der seine entführte Tochter sucht, basiert auf dem gleichnamigen Roman von Sebastian Fitzek und Michael Tsokos. Auch Tsokos ist Rechtsmediziner, was dem zentralen Thema der Leichenobduktion eine große Authentizität verleiht. Der Thriller bezieht seine makabre Schaurigkeit zu großen Teilen aus dem scheinbar ungerührten Herumschneiden an den toten Körpern.

Während sich die arme Linda doch recht schnell den telefonischen Anweisungen Pauls fügt und die Schnitte so durchführt, wie er sie erklärt, kann das Kinopublikum diese sachliche Haltung natürlich nicht einnehmen. Denn im Bild erscheinen bald geöffnete Körperteile, deren Anblick man sich lieber wegwünscht. Linda begeht einen Tabubruch, allerdings legitimiert durch den Fachmann, und mit ihr der Film. Wenn Paul am Telefon mehr und immer mehr Sezierarbeit von Linda fordert, bekommt die Spannung, ob sie sich überwindet, eine humorvolle Färbung. Visuell wirkt das Ergebnis allerdings ähnlich brutal wie die Gewalt, die der Mörder diesen Körpern zufügte.

Neben dem Geschehen, das sich lange parallel in der Helgoländer Klinik und auf der Fahrt Pauls von Berlin nach Helgoland abspielt, schaut die Kamera auch dem Treiben des Serienkillers zu, das weit in die Vergangenheit zurückreicht. Alle diese Schauplätze und Zeitebenen erzeugen eine bedrückende Atmosphäre des Schreckens, das Böse scheint übermächtig zu sein, in alle Räume einzudringen.

Lars Eidinger spielt den Serienkiller als furchteinflößenden Sadisten mit einem überlegenen Grinsen im Gesicht. Moritz Bleibtreu stellt den besorgten Rechtsmediziner glaubhaft dar. Eine undurchsichtige Figur, die die Zuschauer, ob nun zu Recht oder nicht, misstrauisch werden lässt, ist der schnöselige Praktikant Ingolf von Appen (Enno Hesse), der sich Paul als Fahrer und Begleiter aufdrängt. Jasna Fritzi Bauer spielt Linda als zunächst verängstigte junge Frau, die noch gar nicht weiß, wie stark und mutig sie sein kann. Farblich schwelgt die auf emotionale Überwältigung setzende Inszenierung im kalten Spektrum, passend zum Schneetreiben auf Helgoland und zur Unerbittlichkeit der Handlung.

Fazit: Regisseur Christian Alvart probt mit dieser Verfilmung des gleichnamigen Thrillers von Sebastian Fitzek und Michael Tsokos einen wuchtigen Angriff auf das Gefühls- und Geschmacksempfinden des Publikums. In kühlen Farben spult er eine grimmige detektivische Suche nach einem Entführungsopfer in der Gewalt eines Serienkillers ab. Die Hinweise an den Vater der Entführten befinden sich in den Körpern von Leichen, die eine junge Laiin unter fachlicher telefonischer Anleitung obduzieren soll. Das Aufschneiden dieser Mordopfer stellt einen zentralen, aber grenzwertigen Reiz dieses harten Genrefilms dar.




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