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Monsieur Pierre geht online
Monsieur Pierre geht online
© Neue Visionen

Kritik: Monsieur Pierre geht online (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nach "Und wenn wir alle zusammenziehen?" (2011) hat Regisseur Stéphane Robelin auch in seiner neuen Komödie Pierre Richard vor die Kamera geholt. Vom einstigen zerstreuten Tollpatsch ist nichts mehr geblieben. Richard, der in den 1970er-Jahren als "Der Zerstreute" auf der großen Leinwand reüssierte und als "Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh" zu Frankreichs Topkomödianten aufstieg, gibt dieses Mal den alten Griesgram, in dem ein anonymer Romantiker schlummert.

Sein Monsieur Pierre ist ein Cyrano de Bergerac im modernen Gewand, ein Hochstapler des Internetzeitalters. Aus dieser Welt der unvollständigen Sätze, Abkürzungen und Symbole sticht die gehobene Wortwahl des Alten heraus und beeindruckt die Jungen. Trotz deren Schnelllebigkeit nimmt sich Stéphane Robelin alle Zeit der Welt, um seine Figuren einzuführen, ganz behutsam miteinander zu verbinden und auf den finalen Konflikt zusteuern zu lassen. In bester Boulevardtheater-Tradition geht das nicht ohne amüsante Verwechslungen über die Bühne. Der Höhepunkt an Pierres Frühstückstisch, an dem alle Figuren aufeinanderprallen, ist ein Lehrstück in Timing, wie man es lange nicht in einer französischen Komödie gesehen hat.

Pierre Richard und Yaniss Lespert ergänzen sich prächtig. Dabei macht Letztgenannter im Grunde nicht viel mehr, als wie ein geprügelter Hund dreinzublicken, wie es Monsieur Pierre an einer Stelle formuliert. Doch gerade diese Passivität führt den unambitionierten Schriftsteller unfreiwillig von einem Fettnäpfchen zum nächsten. Stéphane Robelin inszeniert das so charmant und warmherzig, dass sein Publikum darüber auch die Grundbedingung dieser Komödie vergisst. Schließlich treiben die beiden Männer mit der unwissenden Flora ein perfides Spiel. Wie es sich für eine Wohlfühlkomödie gehört, löst sich aber auch dieses in versöhnlichem Lachen auf.

Fazit: "Monsieur Pierre geht online" ist eine unaufgeregt erzählte Wohlfühlkomödie, bei der neben den Pointen vor allem das Timing sitzt. Die Chemie zwischen den beiden männlichen Hauptdarstellern stimmt, weshalb man ihnen auch ihr unredliches Spiel verzeiht und über das unrealistische Happy End getrost hinwegsieht.





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