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Kritik: Stromaufwärts (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Marion Hänsels "Stromaufwärts" beginnt als melancholisches Roadmovie: Zwei schweigsame Brüder fahren mit dem Boot einen Fluss irgendwo in der kroatischen Wildnis entlang, genießen die Natur und bemühen sich immer wieder darum, die richtigen Worte zu finden. Hänsels Film mag zwar keine Komödie sein, aber vor allem zu Beginn ist ihr Drama von einer sommerlichen Leichtigkeit sowie einem feinen Sinn für Humor geprägt.

Der subtile Witz entsteht dabei vor allem im Zusammenspiel der beiden großartigen Hauptdarsteller Sergi Lopéz ("Pans Labyrinth", 2006) und Olivier Gourmet ("Der junge Karl Marx", 2017), die mit ihrem nuancierten Minenspiel Einblicke ins Seelenleben der stillen Protagonisten geben. Schnell werden einem die Brüder und ihre Eigenheiten vertraut, Lopéz' Figur strahlt bei aller Zurückhaltung eine überraschende Souveränität und Lebensfreude aus, während Gourmet einen Mann verkörpert, der seine inneren Dämonen nur mit literweise Bier im Zaum zu halten vermag.

Doch gerade als sich Routine einstellen will, wagt "Stromaufwärts" einen Stimmungswechsel. Es ist kein harter Bruch, sondern eine kontinuierliche Entwicklung, die das Drama in Richtung eines Krimis führt. Hänsel nutzt dabei zwar klassische Versatzstücke des Thrillergenres, unterläuft konventionelle Erwartungshaltungen aber, indem sie nah an ihren Figuren und deren emotionalen Konflikten bleibt. Auch wenn kein wirklicher Nervenkitzel aufkommen mag, verleiht der tonale Seitensprung "Stromaufwärts" auf gekonnte Weise innere Spannung und Gravitas.

Fazit: Marion Hänsels Roadmovie um zwei schweigsame Brüder fasziniert vor allem durch das Zusammenspiel der großartigen Hauptdarsteller Sergi Lopéz und Olivier Gourmet. "Stromaufwärts" wechselt zudem gekonnt zwischen Tonlagen und Genres und reflektiert die emotionalen Konflikte der Protagonisten damit auf gekonnte Weise.





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