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The Big Sick
The Big Sick
© Weltkino Filmverleih

Kritik: The Big Sick (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Dass diese hübsche interkulturelle Liebesgeschichte aus Amerika so authentisch wirkt, kommt nicht von ungefähr: Der Stand-up-Comedian Kumail Nanjiani und seine Frau Emily V. Gordon erzählen als Drehbuchautoren ihre eigenen Erlebnisse als junges Paar. Unter der Regie von Michael Showalter spielt sich Kumail Nanjiani auch selbst, als ein junger amerikanischer Immigrant, dem die Erwartungen seiner traditionsbewussten Eltern schwer zusetzen. Diese spannende und sehr unterhaltsame Emanzipationsgeschichte ist in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich. Dafür sorgt schon ihr Offbeat-Humor, der den Kurs der Handlung durch zahlreiche emotionale Schlaglöcher gutgelaunt begleitet. Aber auch, dass Zoe Kazan als weibliche Hauptfigur Emily über weite Strecken einfach nur im Koma liegt, widerspricht der Erzählweise von Mainstreamfilmen.

Kumail steht zwischen allen Stühlen und verarbeitet seine irritierenden, auch widersinnigen Erfahrungen gerne als Stand-up-Comedian. Er kann noch in beinahe jeder Situation einen Scherz machen – und verschont auch seine überfürsorgliche Mutter nicht mit ironischen Kommentaren. Zoe Kazan spielt Emily als verwandte Seele, die ähnlich humorvoll aufgelegt ist und Kumails Kommentare schlagfertig parieren kann. Wichtige Rollen übernehmen Holly Hunter und Ray Romano als Emilys Eltern, die während des langen, bangen Wartens im Krankenhaus oft verschiedener Meinung sind. So wird Kumail für beide zum Tröster und Beichtvater, auch wenn ihm das manchmal peinlich ist. Kumails Humor erzeugt Widerstandskraft, die die Charaktere, wenn sie sich um Emilys Leben sorgen, dringend brauchen.

Die Witze funktionieren, ob sie nun die Bindungsängste des jungen Paares thematisieren, oder die kulturellen Fesseln, die Kumails Eltern dem Sohn anlegen wollen. Mit drastischem Humor werden auch die Vorbehalte aufs Korn genommen, auf die muslimische Einwanderer in Amerika in Zeiten islamistischen Terrors stoßen. Als Kumail mit seinem Bruder in einem Restaurant streitet, ruft er den anderen Gästen zur Beruhigung zu: "Wir hassen Terroristen!" Auf diese Weise den Spiegel für eigene Ängste und Denkmuster vorgehalten zu bekommen, ist sehr erfrischend. Doch es gibt auch eine Szene, in der ein rassistischer Amerikaner dem Humor die Luft abschnürt. Auch darin zeigt sich, dass der Film eigentlich von ernsten Themen handelt, sich aber mit seinen Figuren weigert, den Kopf hängen zu lassen.

Fazit: Dieser romantische Culture-Clash-Film erzählt die wahre Geschichte eines jungen Amerikaners pakistanischer Herkunft, der Angst hat, seine Familie zu verlieren, wenn er sich zu seiner angelsächsischen Freundin bekennt. Der satirische, pointenreiche Humor des Co-Autors und Stand-up-Comedians Kumail Nanjiani, der sich selbst spielt, beackert den Ernst, welcher der streckenweise dramatischen Handlung auch innewohnt, mit spielerischer Leichtigkeit. Die Realitätsnähe steht dieser sehr unterhaltsamen und zugleich bewegenden Geschichte gut zu Gesicht.









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