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Kritik: Nach einer wahren Geschichte (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Filmemacher Roman Polanski hat es schon immer meisterlich verstanden, eine geheimnisvolle Atmosphäre lauernder Gefahren zu erschaffen. In etlichen seiner Werke kämpfen die ProtagonistInnen darum, nicht den Boden unter den Füßen, beziehungsweise den Kontakt zur Realität zu verlieren. Auch diese Verfilmung des gleichnamigen Romans von Delphine de Vigan entwickelt sich zu einem faszinierenden Vexierspiel zwischen Realität und Fantasie. Ist die schillernde Elle, wie ihre Berufsbezeichnung Ghostwriterin es schon andeuten könnte, eine reine Einbildung der Schriftstellerin Delphine, die in eine psychische Krise gerät? Oder ist sie eine höchst reale, gefährliche Frau, die die Kontrolle über Delphines Leben erlangen und sie darin ersetzen möchte?

Polanski hat das Drehbuch gemeinsam mit Olivier Assayas geschrieben, der in "Die Wolken von Sils Maria" bereits ebenfalls von der komplizierten Beziehung einer Künstlerin und ihrer Assistentin erzählte. Elle bietet sich Delphine sehr offensiv als Freundin und zugleich als eine persönliche Assistentin an. Sie schirmt Delphine ungebeten von der Außenwelt ab, ordnet ihre Sachen, schreibt unaufgefordert Mails in ihrem Namen, drängt sie, den in ihrem Inneren verborgenen Roman zu schreiben. Elle wirkt geheimnisvoll und gefährlich wie eine Femme fatale, Delphine hingegen müde, labil und in ihrer Einsamkeit sehr anlehnungsbedürftig. Gerne lässt sie sich von Elle bemuttern, fühlt sich auf magische Weise zu ihr hingezogen. Dann will sie Elle wieder wegstoßen, weil ihr die Kontrolle über das eigene Leben nun erst recht zu entgleiten droht. Aber auch Delphine handelt, wie sich bald herausstellt, in dieser Beziehung nicht ohne Hintergedanken.

Emmanuelle Seigner und Eva Green spielen die beiden Frauen hervorragend, die sich so intensiv in ihre Freundschaft vertiefen und sich zugleich wie bei einem Psychoduell belauern. In der Abgeschiedenheit eines Landhauses entwickelt die Geschichte schließlich Parallelen zu Rob Reiners "Misery" nach dem Roman von Stephen King. Dabei führt Polanski jedoch die Erwartungen der Zuschauer geschickt aufs Glatteis. Die ganze Inszenierung wirkt sehr elegant und erzeugt eine Stimmung, die permanent zwischen entrückter Melancholie und fesselnder Spannung schillert. Das leichte Lächeln, das Elles rot geschminkte Lippen umspielt, wirkt programmatisch. Denn Gefahr kann sehr verlockend sein und zu neuen Entdeckungen führen.

Fazit: Emmanuelle Seigner und Eva Green brillieren in diesem Thriller von Roman Polanski in den Rollen einer Schriftstellerin und einer Ghostwriterin, die sich anfreunden und zugleich misstrauisch belauern. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Delphine de Vigan bietet ein elegantes Vexierspiel um Inspiration und Abhängigkeit, Realität und Fantasie. Während die Ghostwriterin zunehmend Macht über Delphines Leben gewinnt, streut der Film Zweifel an ihrer Existenz. Dieser Zwiespalt erzeugt den richtigen Spannungszustand, um Geist und Gemüt raffiniert zu unterhalten.




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