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Roman Polanski (84)

Wissenswertes

Geboren: ✹ 18. August 1933 in Paris, Frankreich
Name: Roman Liebling
Größe: 160 cm

Bildergalerie

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Biographie

Roman Polanski wurde am 18. August 1933 als Rajmund Roman Liebling in Paris geboren. Sein Vater, Ryszard Liebling Polański, war ein polnischer Jude. Seine Mutter, Bula Katz, stammt aus Russland und ist das Kind eines jüdischen Vaters und einer katholischen Mutter. 1937 zog die Familie als Reaktion auf verstärkten Antisemitismus nach Krakau um. Als die Nazis Polen überfielen, wurden sie ins Krakauer Ghetto umgesiedelt. Polanskis Mutter wurde schließlich in Auschwitz ermordet, sein Vater überlebte das Konzentrationslager in Mauthausen (Österreich). Polanski überlebte die Zeit im Versteck: Ein polnischer Bauern brachte ihn in einem Kuhstall unter.

1946 ergatterte der damasl 13jährige eine Rolle in einem Hörspiel und arbeitete danach als Kinderdarsteller in Krakau. Später studierte er an der Filmhochschule Łódź und machte 1959 seinen Abschluss. Im selben Jahr heiratete er die junge Schauspielerin Barbara Kwiatowska, damals einer der bekanntesten polnischen Jungstars.
1962 gelang Polanski der Durchbruch als Regisseur, mit dem Beziehungsthriller "Das Messer im Wasser", der bis heute als einer der besten polnischen Nachkriegsfilme gilt und eine Oscanominierung für den besten fremdsprachigen Film erhielt. Im selben Jahr beendete er seine Ehe mit Kwiatowska und zog nach England. Dort inszenierte er zunächst drei Filme nach Drehbüchern, die er gemeinsam mit Gérard Brach schrieb: "Ekel", "Wenn Katelbach kommt" (beide 1965) und "Tanz der Vampire" (1967).

Die Hautrolle in letzterem sollte eigentlich der Rotschopf Jill St. John spielen. Polanski favorisierte jedoch das amerikanische "It"-Girl Sharon Tate und überzeugte schließlich auch die Produzenten. Tate war mit dem Haarstylisten Jay Sebring verlobt, verliebte sich während der Dreharbeiten aber in den Regisseur. Im Herbst 1967 zog sie mit Polanski nach London, wo beide zum begehrten Thema der lokalen Klatschpresse wurden. Im Januar 1968 heirateten sie in London und zogen kurze Zeit später nach Hollywood, wo das Paar schnell Anschluss an die Kreise von Stars wie Jane Fonda, Steve McQueen, Mia Farrow und Jim Morrison fand und Polanskis ersten Hollywoodhit "Rosemaries Baby" feierte.
Im Herbst 1968 wurde Tate schwanger. Anfang 1969 zog das Paar als Nachmieter ihrer Freunde Candice Bergen und dem Musikproduzenten Terry Melcherm in ein Haus am Cielo Drive in den Hollywood Hills um. Zehn Tage vor dem berechneten Geburtstermin, am 9. August 1969, drangen vier Mitglieder der "Manson Family" - einer überwiegend aus heruntergekommenen Mädchen bestehende Kommune um den geistesgestörten Sadisten Charles Manson - in das Haus ein, in dem Sharon sich mit drei Freunden aufhielt. Alle wurden erstochen, Sharon starb an 16 schweren Messerwunden. Ihr ungeborenes Kind wurde als Paul Richard Polanski in den Armen seiner Mutter beerdigt.

Polanski kehrte nach Europa zurück und drehte dort zunächst eine düstere und blutige Version von Shakespeares "Macbeth" (1971). Dem folgte 1973 die absurde Komödie "Was" - Polanskis erster Kassenflop. Nur ein Jahr später legte er mit dem bitteren Hollywoodkrimi "Chinatown" ein grandioses Comeback vor, mit Jack Nicholson und Faye Dunaway in den Hauptrollen. Der Film wurde für 11 Oscars nominiert und gewann in der Sparte "Bestes Drehbuch". 1974 erhielt Polanski die französische Staatsbürgerschaft und drehte in Europa als nächstes das Psychodrama "Der Mieter" (1976).

1977 verbaute Polanski sich mit dem Skandal um die damals 13jährige Samantha Gailey die Rückkehr nach Hollywood: Er wurde der Vergewaltigung einer Minderjährigen unter Drogeneinfluss beschuldigt. Polanski legte ein Geständnis ab und die Klage wurde zugunsten einer außergerichtlichen Einigung fallen gelassen. Nach 45 Tagen in verordneter psychiatrischer Behandlung stellte sich jedoch heraus, dass der zuständige Richter der zuvor in Aussicht gestellten Vermeidung einer Haftstrafe - Polanski fürchtete, als Jude und Berühmtheit den Übergriffen anderer Gefangener besonders ausgesetzt zu sein - nicht nachkommen würde und stattdessen beabsichtigte, den Fall für seine eigene Karriere und als Statuierung eines Exempels auszunutzen. Polanski floh aus den USA nach London und ließ sich schließlich in Paris nieder - als französischer Staatsbürger kann er nicht an die USA ausgeliefert werden.

1979 drehte Polanski ein sehr persönliches Historiendrama: "Tess", nach dem Roman "Tess von den d'Urbervilles" - einem Lieblingsbuch von Sharon Tate, der er den Film widmete. Die Hauptdarstellerin Nastassja Kinski teilt mit Tate den Geburtstag, den 24. Januar. Der Film erhielt 1981 drei Oscars: Für das Szenenbild, die Kamera und das Kostümdesign. Nominiert war er in drei weiteren Kategorien - Bester Film, Regie und Filmmusik.
Erst sieben Jahre später - vor allem in Folge des Skandals - drehte Polanski seinen nächsten Film, das Abenteuerspektakel "Piraten". Den Stoff entwickelte er bereits in den 1970ern, mit Jack Nicholson als möglichem Kandidat für Walter Matthaus spätere Rolle. Nicholson verlangte jedoch eine exorbitante Gage und Polanskis rechtliche Probleme ließen die Produktion mehrere Jahre auf Eis liegen. Als der Film dann endlich zustande kam, floppte er an den Kassen.
Der Thriller "Frantic" (1988), mit Harrison Ford und Emmanuelle Seigner, war zumindest bei den Kritikern angesehen. 1989 heiratete Polanski die damals 23jährige Seigner. Mit ihr drehte er später den erotischen Thriller "Bitter Moon" (1992) und den Mysterythriller "Die neun Pforten". Die beiden haben zwei gemeinsame Kinder, Morgane (*1993) und Elvis (*1998).

1994 landete Polanski mit der Verfilmung des Theaterstücks "Der Tod und das Mädchen" den nächste große Wurf, wenn auch die Story des Filmes - einer Frau fällt ein Mann in die Hände, von dem sie glaubt, er habe sie früher gefoltert und vergewaltigt - einem Boxofficehit im Wege standen.
2002, im Alter von 67 Jahren, gelang Polanski dann der größte (bisherige) Triumpf seiner Karriere, mit einem ähnlich unbequemen Thema: Mit "Der Pianist" verarbeitete er neben der Biographie des polnischen Klavierspielers Władysław Szpilman auch eigene Erinnerungen an das Krakauer Gettho. Der Film erhielt 2002 die Goldene Palme von Cannes, sowie Oscars für den besten Hauptdarsteller (Adrien Brody), das beste adaptierte Drehbuch (Ronald Harwood) und die beste Regie (Polanski). Die Verkündung von Polanskis Oscar wurde von frenetischem Applaus begleitet. Der Regisseur konnte die Auszeichnung wegen seinem Flüchtlingsstatus in den USA nicht persönlich entgegennehmen.

2004 zog Polanski selbst vor Gericht: Er klagte gegen Vanity Fair, wegen Verleumdung. Das Magazin hatte 2002 in einem Artikel behauptet, der Regisseur habe 1969 auf dem Weg zur Beerdigung von Sharon Tate versucht, ein Sexdate mit einer Fremden zu verabreden - indem er sie damit lockte, eine neue Sharon Tate aus ihr zu machen. Polanski erhielt für diese Unterstellung 50.000 britische Pfund als Entschädigung.
2005 begab sich Polanski ein weiteres mal in seine traumatische Kindheit zurück - mit der Verfilmung von Charles Dickens' "Oliver Twist". Der Film wurde von der Kritik sehr gut, vom Publikum jedoch eher verhalten aufgenommen.


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