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Kritik: Die Beste aller Welten (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Die Beste aller Welten" feierte in diesem Jahr auf der Berlinale seine Premiere. Bei dem Film handelt es sich um das Regie-Debüt des erst 26-jährigen Adrian Goiginger. Goiginger, der auch das Drehbuch schrieb, studiert an der Filmakademie Baden-Württemberg (Studiengang: "Szenische Regie"). Zuvor realisierte er bereits seit 2010 u.a. Kurzfilme, Werbespots und Musikvideos als Regisseur und Drehbuchautor. Mit "Die Beste aller Welten" konnte er bereits einige Festivalpreise abräumen. Darunter: den NDR-Regiepreis auf dem Filmkunstfestival Mecklenburg-Vorpommern. Goiginger verarbeitete in seinem Debüt auch eigene Erfahrungen. Seine eigene Mutter war selbst viele Jahre schwer heroinabhängig.

Das besondere Kunststück von Regisseur Goiginger ist, dass er hier keine der handelnden Figuren verurteilt. Auch nicht die drogensüchtige Mutter, was ja ein leichtes gewesen wäre: denn Drogensüchtige haben gesellschaftlich ohnehin keinen leichten Stand, existieren meist am Rande der Gesellschaft. Aber dann noch eine drogenabhängige Mutter, die nicht in der Lage ist, die Sucht für ihr Kind in den Griff zu kriegen? Viele andere Filme stellen Drogensüchtige an den Pranger und verurteilen sie. Nicht so der Film "Die Beste aller Welten", der Empathie für all seine Charaktere walten lässt. Ihm gelingt es, die innere Zerrissenheit und die Bürde Helgas, deutlich zu machen: das Hin- und Hergerissen sein zwischen sich selbst zerstörender Drogenabhängiger und liebender Mutter.

Dadurch wird beim Zuschauer auch noch so etwas wie Verständnis für seine teils tragischen Protagonisten hervorgerufen – ohne anzuklagen. "Die Beste aller Welten" rückt eine Gruppe von gesellschaftlich Geächteten in den Mittelpunkt seiner filmischen Betrachtung. Goiginger inszeniert dabei ohne übertriebenes Pathos und ohne in allzu kitschige Gefilde abzudriften. Allein das erfordert sehr viel Mut. Mutig war auch seine Entscheidung, den Darsteller des siebenjährigen Adrian allein unter 200 Bewerbern auszusuchen – dass er dabei ein derart goldenes Händchen beweist, war in dieser Form weiterhin nicht zu erwarten.

Denn Jeremy Miliker verkörpert seine emotionale Figur, die stets auf der Suche nach Abenteuern ist, enorm wahrhaftig und lebensecht. Aus seiner kindlichen Sicht wird der Film zu weiten Teilen erzählt. Er flüchtet sich in eine Welt, in der alles seinen Platz hat: beim Alkohol, der in der heimischen Wohnung dauerpräsent ist, handelt es sich etwa um einen Zaubertrank für Erwachsene. Oder: der von allen nur "Grieche" genannte Dealer, der Adrian an den "Zaubertrank" heranführen will, ist ein böser Dämon. Entziehen kann man sich Miliker eigentlich allein schon aufgrund seines putzigen österreichischen Dialekts, nur schwer. Ihm in nichts nach steht Helga-Darstellerin Verena Altenberger. Authentisch und mit größtmöglichem darstellerischem Ausdrucksvermögen, kehrt sie die Seelenqualen ihrer Figur nach außen.

Fazit: Kluge, vielschichtige Milieustudie, die ihren Figuren mit viel Empathie und Verständnis begegnet. Die Darsteller brillieren in ihren Rollen und der erst 26-jährige Debüt-Regisseur, inszeniert so sicher und professionell wie ein alter Hase.





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