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Burg Schreckenstein 2
Burg Schreckenstein 2
© Concorde

Kritik: Burg Schreckenstein 2 - Küssen (nicht) verboten (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Regisseur Ralf Huettner und sein Drehbuchautor Christian Limmer versetzten im vergangenen Jahr die 1959 begonnene und 1988 beendete Jugendbuchreihe "Burg Schreckenstein" erfolgreich in die Gegenwart. Doch während Computer, Smartphones, Skateboards und coole Sprüche prima ins Hier und Jetzt passten, kam der Geschlechterkampf, der die Mädchen konsequent als "Hühner" titulierte und deren Direktorin zur sexuell Frustrierten stilisierte, reichlich angestaubt daher. Für die Entwicklung der Figuren blieb zudem viel zu wenig Zeit. Und auch der vollgestopfte Soundtrack irritierte, geriet der Film dadurch an mancher Stelle doch beinahe zum Musikvideo. So viel vorab: All das macht de Fortsetzung besser, rundum gelungen ist sie trotzdem nicht.

Harald Schmidt, der im ersten Teil den Grafen Schreckenstein gab und nicht nur, aber auch deshalb blass blieb, weil er lediglich am Rande vorkam, wird bereits in der Einleitung in den Krankenstand versetzt. Das macht den Weg für Uwe Ochsenknecht frei, der als Kuno Schreckenstein deutlich mehr Farbe ins Spiel bringt. In den ersten Minuten, wenn der Adlige mit seinem Motorrad in kanariengelber Lederkluft und Cowboystiefeln auf den Burghof brettert und den Schulalltag mit seinen lockeren Ansichten durcheinanderwirbelt, schillert diese Figur so sehr wie ihre schrillen Hemden. Leider hält Ochsenknecht die Mischung aus Nonchalance und Überheblichkeit nicht bis zum Schluss durch. Für einen echten Bösewicht taugt Kuno ebenfalls nur ansatzweise, so brav, wie er geschrieben ist.

Immerhin lässt das Drehbuch den angestaubten Geschlechterkampf dieses Mal schnell hinter sich, gewinnt ihm gar einen neuen Dreh ab. Die Schüler sind älter. Aus bedingungsloser Abneigung werden erste Annäherungsversuche. Das gemeinsame Ziel, Burg Schreckenstein zu retten, schweißt die Jugendlichen nicht nur zusammen, sondern zwingt einige von ihnen, in die Rolle der anderen zu schlüpfen. Mit der Schatzsuche halten nun auch Spannung und etwas Drama Einzug. Der zweite Teil ist mehr Abenteuergeschichte als lose Nummernrevue. Zu lachen gibt es dennoch reichlich, auch wenn die Gags mehr auf Schabernack denn auf Feinsinn zielen und nicht jeder davon sitzt. Das strenge Erziehungskonzept von Frau Doktor Horn, die Sophie Rois ein weiteres Mal mit irrsinnigem Spielwitz gibt, bekommt erneut sein Fett weg.

Im Konzert der großen Kinderfilme spielt "Burg Schreckenstein 2" dennoch nur die zweite Geige. Denn über die gesamte Laufzeit gesehen, kommen viele der Charaktere zu kurz, schlägt das Drehbuch zu viele Seitenwege ein. Henning Baum als Rektor Rex kann Sopie Rois auch in der Fortsetzung nicht das Wasser reichen. Und im Vergleich zu internationalen Produktionen wie etwa "Paddington" oder heimischen wie der "Rico, Oskar"-Reihe hinkt "Burg Schreckenstein 2" in puncto Schauspieler, Ausstattung, Kostüme Charme und Witz deutlich hinterher.

Fazit: Wer den ersten Teil mochte, macht auch mit der Fortsetzung nichts falsch. Wie der Untertitel verrät, mischen sich erste Annäherungsversuche in den jugendlichen Geschlechterkampf. Neben Schabernack hat "Burg Schreckenstein 2" auch Spannung und Abenteuer zu bieten. Im Konzert der großen Kinderfilme kann aber auch die Fortsetzung nicht mithalten.





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