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Possession of Hannah Grace
Possession of Hannah Grace
© Sony Pictures

Kritik: The Possession of Hannah Grace (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Das Subgenre des Exorzismusfilms hat es nicht leicht, hat dessen Prototyp, William Friedkins "Der Exorzist" (1973), die Messlatte doch schier unerreichbar hoch gelegt. In seinem Hollywooddebüt nach einem Drehbuch von Brian Sieve versucht der niederländische Regisseur Diederik Van Rooijen, diese Erwartungen mit einem Twist zu unterlaufen. Sein Film verlagert die Dämonenaustreibung von heimischen Schlafzimmern und sakralen Orten ins Leichenschauhaus.

Auf dem Papier hat "The Possession of Hannah Grace" alles, was es für einen erfolgreichen Horrorfilm braucht: ein imposantes, gruseliges Set, eine seelisch verwundete Hauptfigur mit nützlichem Vorwissen, ein faszinierendes Monster und, wenn schon keinen erstklassigen, so doch zumindest einen passablen Cast mit Seriendarstellerin Shay Mitchell ("Pretty Little Liars") an der Spitze. Die Umsetzung des Ganzen lässt nach einem tollen Auftakt allerdings schnell zu wünschen übrig.

Sieve, bislang für Film- und Fernsehschocker von "Boogeyman 2" (2007) bis "Scream" (seit 2015) verantwortlich, greift auch bei "Hannah Grace" in den Horrorfilmbaukasten. Von der angeknacksten Heldin über den verständnisvollen Kollegen (Nick Thune) und den zu Hilfe eilenden Ex (Grey Damon) bis zum schrulligen, unschwer als erstes Opfer zu erkennenden Wachmann (Maximillian McNamara) ist alles vorhanden. Van Rooijen überführt diese Konstellation in eine stimmungsvolle Atmosphäre. Kameramann Lennert Hillege taucht Boston in dreckig-düstere, das Innere des Krankenhauses in fröstelnd-kalte Bilder. Der rohe Betonbrutalismus des Bostoner Rathauses, das im Film als Krankenhauskulisse dient, ist der heimliche Hauptdarsteller des Films.

Nach der gelungenen Exposition geht es allerdings rapide bergab, weil sich Sieve nicht mehr für die in aller Kürze angerissenen Beziehungen zwischen den Figuren und Van Rooijen nicht mehr für seine Schauspieler interessiert. Die Handlung ist formelhaft, mitunter sprunghaft und lässt gegen Ende jegliche Logik fahren. Die Action ist hektisch und schludrig inszeniert. Die Charaktere bieten wenig bis keinerlei Identifikationspotenzial. Shay Mitchell stemmt sich bis zuletzt dagegen, kann aber auch nicht verhindern, dass man ihnen seltsam gleichgültig gegenübersteht. Was diesem Horrorfilm jedoch am dringendsten fehlt, ist der Thrill. Selbst die jump scares sind vorhersehbar und das unter Knacken und Knirschen der Knochen und Gelenke vorwärtskriechende Monster ist mehr als einmal unfreiwillig komisch.

Fazit: "The Possession of Hannah Grace" ist ein in allen Gewerken unterdurschnittlicher Horrorfilm, der nach einem atmosphärisch dichten Auftakt rapide abbaut. Die Handlung ist vorhersehbar, die Effekte sind schwach, die Figuren sind einem egal und der Grusel ist nicht der Rede wert.




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