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Bad Times at the El Royale
Bad Times at the El Royale
© 20th Century Fox

Kritik: Bad Times at the El Royale (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Ein wuchtiger Film, der nicht kleckert, sondern klotzt, erinnert an die düstere Seite der amerikanischen Flower-Power-Ära. Regisseur und Drehbuchautor Drew Goddard hat natürlich keine umfassende Würdigung jener Zeit im Sinn, wenn er das Geschehen in einem abgeschiedenen Hotel in den Bergen verfolgt, das sich im Wesentlichen auf den Verlauf einer Nacht beschränkt. In Agatha-Christie-Manier entwickelt sich dort unter den Insassen ein Krimi, der für alle über Leben und Tod entscheiden wird.

Typisch für die Ära sind nicht nur die farbigen Tapeten in den Hotelzimmern, sondern auch die Erkenntnis der Personen, an einem Scheideweg angekommen zu sein. So wie mitten durchs Hotel die Grenze zweier Bundesstaaten verläuft, so tragen die Werte der alten Zeit nicht mehr. Die Befreiung aus den gesellschaftlichen Fesseln hin zu einem selbstbestimmten Leben aber geht mit Angst, Konfusion und Vereinzelung einher, und in jeder Person hallt eine Form erfahrener oder selbst praktizierter Gewalt und Verlogenheit nach.

Die Personen, die sich im Hotel auf Gedeih und Verderb gegenseitig ausgeliefert sind, als Täter, Opfer, Zeugen, Strippenzieher, stehen für verschiedene Facetten jener Zeit. Hoovers FBI und sein Abhörfuror gehören dazu. Aus der Erpressbarkeit der Hotelgäste wegen des Spiegelfensters erwächst sogar eine Parallele zur heutigen Zeit, in der Social Media zum Einfallstor für die Kontrolle des sich im Internet unbekümmert produzierenden Individuums wird. Emilys Schwester Ruth, die dem Hippiebanden-Chef Billy Lee sexuell hörig ist, erinnert an die mordlustigen Mädchen der Manson Family. Und der Hotelboy Miles hat ein massives Vietnamkriegstrauma.

Das Ensemblestück erinnert in zweierlei Hinsicht an Quentin Tarantinos "The Hateful Eight". Zum einen ist da eine Haltung, dass alles von Bedeutung sein könnte, auch wenn die Handlung zum Stillstand zu kommen droht. Mit ihr geht eine unsinnige Überlänge des Films einher. Zum anderen ist da die Gewalt, die brutal ins Geschehen hereinbricht, erschreckend, völlig unerwartet wie ein Fremdkörper.

In den Räumen des Hotels herrscht schummriges Licht, die starken Farben der Einrichtung, ob violett, grün, blau oder braun, besitzen ihre eigene untergründige Dunkelheit. Letztlich erschließt sich der Sinn dieses an sich stimmungsvollen und von der betörenden Musik der Ära begleiteten Krimis nicht wirklich. Er beginnt verheißungsvoll, verläuft jedoch weniger spritzig als erwartet.

Fazit: Unter der Regie von Drew Goddard entfaltet der an die Agatha-Christie-Krimis erinnernde Spielfilm eine düstere Stimmung, die sich in die von Umbrüchen gezeichnete Ära der späten 1960er Jahre versetzt. In einem abgelegenen Hotel des amerikanischen Westens verstricken sich ein paar Gäste und Besucher in ein mörderisches Beziehungsgeflecht. Das Ensemblestück setzt auf wortreiches Rätselraten und Taktieren der Charaktere, die jähen Gewalteinbrüche muten darin wie Fremdkörper an. Letztlich bleibt die Zielrichtung des wuchtig-ehrgeizigen Films im Unklaren.




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