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Docteur Knock - Ein Arzt mit gewissen Nebenwirkungen
Docteur Knock - Ein Arzt mit gewissen Nebenwirkungen
© Central Film © Wild Bunch

Kritik: Docteur Knock - Ein Arzt mit gewissen Nebenwirkungen (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die französische Regisseurin und Drehbuchautorin Lorraine Lévy ("Der Sohn der Anderen") hat eine vergnügliche Komödie inszeniert, die auf einem Theaterstück von Jules Romains aus den 1920er Jahren basiert. Anders als in der Vorlage ist der Hauptcharakter Knock kein zynisch-bösartiger Mensch, sondern einer, der trotz seiner Geschäftstüchtigkeit und seiner Schwindeleien das Herz auf dem rechten Fleck hat. Die schwarze Hautfarbe des Film-Arztes sorgt in dem Dorf der 1950er Jahre, weil es die Regie so will, nicht für Irritationen, symbolisiert aber dennoch seine Fremdheit. Mit seinem Benehmen unterscheidet sich der elegant gekleidete Arzt eklatant von seinem Vorgänger, der mit den gesunden Dorfbewohnern nicht viel Geld verdiente. Sogleich weiht Knock den örtlichen Apotheker (Michel Vuillermoz) in seine Pläne ein, das Geschäft ordentlich anzukurbeln. Dagegen hat der Mann, dessen Frau (Audrey Dana) sich kostspielige Hüte wünscht, nichts einzuwenden.

Diese launige Geschichte, die betont naiv und possenhaft daherkommt, um ihre Verortung im "Es war einmal" zu demonstrieren, nimmt die Leichtgläubigkeit der Menschen satirisch auf die Schippe. Knock redet Gesunden ein, dass sie ernsthafte Beschwerden haben und weckt damit Ängste, aber auch Bedürfnisse, die in allen Bewohnern schlummern. Schlafstörungen, ein Bauchdrücken unklarer Herkunft, ein Sturz von der Leiter in der Kindheit – all das verdient Beachtung. Die Menschen beschäftigen sich bereitwillig mit ihren Zipperlein und greifen tief in die Tasche – eine amüsante Anspielung auf eine Gegenwart, in der Wellness und Alternativmedizin hoch im Kurs stehen und nicht nur Hypochonder sehr besorgt um ihre Gesundheit sind.

Omar Sy spielt die Hauptrolle sehr sympathisch und ohne Scheu vor ihren moralisch bedenklichen Eigenschaften. Dass Knock trotzdem ein guter Mensch ist, zeigt sich vor allem in seinem Verhalten der Frau gegenüber, in die er sich verliebt. Die Bewohner des Städtchens ergeben ein lustiges Ensemble markanter, eigenwilliger Charaktere. Zum mal spritzigen, mal betulichen Dialogwitz gesellt sich auch gelegentlicher Slapstick und eine Atmosphäre, die von Entrücktheit geprägt ist. Knock haftet wie den anderen Figuren eher etwas Verspieltes an, als eine Glaubwürdigkeit, wie sie aus einer genauen Zeichnung oder aus Realitätsnähe entstünde. Das wirkt sich auch auf die Komik aus, die letztlich über das Niveau vergnüglich-harmlosen Schmunzelhumors nicht hinausgeht.

Fazit: Die französische Komödie mit Omar Sy in der Hauptrolle eines äußerst geschäftstüchtigen Dorfarztes wirkt mit ihrem Schmunzelhumor und ihrer Verortung in einer Fünfziger-Jahre-Idylle recht harmlos. Aber mit ihren satirischen Seitenhieben auf die Leichtgläubigkeit von Menschen, die um ihre Gesundheit besorgt sind, sucht sie auch Bezüge zur Gegenwart. Das Ensemble eigenwilliger Charaktere gehört zu den Stärken dieser gutgelaunten, aber oft auch naiv-betulichen Posse.




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