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Solange ich atme
Solange ich atme
© Universum Film © SquareOne

Kritik: Solange ich atme (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Regiedebüt des britischen Schauspielers Andy Serkis ist ein stilvoll inszeniertes Drama, das sich einer außergewöhnlichen wahren Geschichte annimmt. Sie erzählt über die Liebe von Robin und Diana Cavendish, die Berge versetzte, nachdem der erst 28-jährige Mann an Polio erkrankte und vom Hals abwärts gelähmt war. Das epische Drama, das Romantik, eine optimistische Grundhaltung und britischen Humor vereint, spannt einen Bogen über mehrere Jahrzehnte. Obwohl ihm die Ärzte nur eine Lebensdauer von einigen Monaten prophezeien, wird Robin seinen neugeborenen Sohn Jonathan aufwachsen und zum Mann reifen sehen. Der Produzent dieses gefühlvollen Spielfilms ist Jonathan Cavendish selbst, der seinen Eltern und ihrer Liebe ein gelungenes Denkmal setzt.

Robin und Diana stehen anfangs auf der Sonnenseite des Lebens. Mit seinem Cabrio und seinem kleinen Flieger genießen sie das Reisen - eine Mobilität, die damals ungeheuer fortschrittlich und privilegiert erscheint. Das Paar zieht nach Afrika, umarmt sich vor der untergehenden Sonne und die anfangs altmodisch-emotionale Musik weicht flotteren, jazzigen Melodien und Evergreens. Dann aber folgt eine Zeit bitteren Leids, das die Liebe an ihre Grenzen bringt. Robin hat den Lebensmut verloren. Als dann mit dem Auszug aus der Klinik ein neues Abenteuer für das Paar beginnt, verändert sich der Ton der Geschichte wieder ins Positive. Die unbeschwerte Grundhaltung der beiden Charaktere dient dem Film als Leitmotiv für viele humorvolle, genießerische, gesellige Szenen, in denen das scheinbar Unmögliche wahr wird. Robin kann wieder hinaus, ins Freie und sogar reisen – und die Todesgefahr, in die er ein-zweimal gerät, kann ihm seinen Humor nicht rauben.

Andrew Garfield kann dem gelähmten Robin sowohl als humorvoll-optimistischem Charakter, als auch im Leid Glaubwürdigkeit verleihen. Beeindruckend ist auch Claire Foy in ihrer Darstellung der emotional sehr gefestigten Diana. Unter den Nebenfiguren befinden sich einige halb-skurrile Charaktere, die den beschwingten Ton der Geschichte verstärken. Die Bilder können üppig in warmen Farben und lieblich-idyllischen Szenarien schwelgen, ohne dass der Film in Kitsch abgleitet. Alles wirkt stets realistisch und huldigt zugleich diesem ungewöhnlichen Paar, das im Abspann auch in echt zu sehen ist.

Fazit: Mit diesem stimmungsvollen, lebensbejahenden Drama über ein Paar, das sich von der schweren Polio-Erkrankung des Mannes nicht aus der Bahn werfen lässt, setzt der Produzent Jonathan Cavendish seinen Eltern Robin und Diana Cavendish ein filmisches Denkmal. Unter der Regie von Andy Serkis gelingt eine atmosphärisch sehr überzeugende Mischung aus Romantik, Abenteuer, Humor, die dem Thema eines Lebens unter künstlicher Beatmung das Lähmende nimmt. Die Hauptdarsteller Andrew Garfield und Claire Foy lassen stets spürbar werden, dass dieses ungewöhnliche Ehepaar sein Glück dem Schicksal durch eigene Anstrengung abgetrotzt hat.




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