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Drei Zinnen
Drei Zinnen
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Kritik: Drei Zinnen (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Vor beeindruckender Naturkulisse entfaltet Regisseur und Drehbuchautor Jan Zabeil ("Der Fluss war einst ein Mensch", 2011) ein intimes Familiendrama: Anhand von narrativen Bruchstücken und Momentaufnahmen erzählt "Drei Zinnen" von den Spannungen einer Patchworkfamilie, deren Urlaub zu einer wahren Zerreißprobe wird. Der titelgebende Gebirgsstock in den Sextner Dolomiten ist dabei nicht bloß heimlicher Hauptdarsteller des Films, sondern wird in den Aufnahmen von Bildgestalter Axel Schneppat zu einem vielschichtigen, zwischen Schönheit und Schrecken schillernden Charakter.

Dennoch lassen sich die menschlichen Darsteller die Show nicht stehlen: Alexander Fehling, Bérénice Bejo und Arian Montgomery verkörpern die Protagonisten glaubhaft und lassen die komplexen Dynamiken zwischen den Figuren spürbar werden. Unterstrichen werden diese emotionalen Konflikte noch durch die ausgeprägte Bildsprache des Dramas, das wenig dem Zufall überlässt und manchen Zuschauer mit seinem wenig subtilen Symbolismus erschlagen könnte.

"Drei Zinnen" ist also keineswegs reizlos, mitunter allerdings doch recht betulich und humorlos. Lediglich auf den letzten Metern mag Jan Zabeil sein Publikum überraschen und erlaubt sich einen Spaß: In einer nicht ganz stimmigen, aber willkommenen Wendung führt er seinen Film in klassische Genre-Gefilde und buchstabiert den Psychohorror, der zuvor lediglich angedeutet wurde, auf drastische Weise aus. Zabeil zerreißt den eigenen Film mit dem finalen Akt in zwei Stücke, die nicht ganz zueinander passen – das kann man als Kommentar zur Situation der Hauptfiguren verstehen oder sich einfach daran erfreuen, dass der Filmemacher hier trotz aller Risiken etwas gewagt hat.

Fazit: Jan Zabeil inszeniert vor beeindruckender Naturkulisse ein intimes Familiendrama. Trotz starker Darsteller und großartiger Bilder erweist sich "Drei Zinnen" dabei mitunter als betulich und überfrachtet. Eine gewagte Wendung im letzten Akt sorgt jedoch für eine Überraschung und führt das symbolträchtige Drama in die Gefilde des Psychohorrors – eine Entscheidung an der sich die Geister scheiden dürften.




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