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Maria Magdalena
Maria Magdalena
© Universal Pictures International

Kritik: Maria Magdalena (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Maria Magdalena" ist die achte Kinoproduktion, die Hauptdarstellerin Rooney Mara seit 2016 gedreht hat. Sie kannte den Regisseur des Films, den Australier Garth Davis, bereits durch die gemeinsame Zusammenarbeit beim Drama "Lion" (2016). Neben Mara sind mit Joaquin Phoenix und Chiwetel Ejiofor ("12 years a slave", "Inside Man") zwei weitere prominente Darsteller in "Maria Magdalena" zu sehen. Der Film entstand Ende 2016 in einigen ländlichen Gegenden Italiens.

Das Positive und Frische an "Maria Magdalena" ist die Tatsache, dass hier die Passionsgeschichte erstmals aus der Sicht jener Frau erzählt wird, die Jesus treu bis in seinen Tod begleitete. Bibel-Dramen über Jesus‘ Leiden und Sterben gibt es viele, allein Hollywood hat mit der "Passion Christi" (2004) und "Die letzte Versuchung Christi" (1988) zwei der bekanntesten hervorgebracht. Doch "Maria Magdalena" schafft es, den Blick erstmals weg vom so mächtigen, starken Messias und Sohn Gottes zu lenken. Und: dem bekannten Sujet frischen Wind einzuhauchen.

Denn einen Schwerpunkt legt der Film auf das Offenlegen der patriarchalischen Strukturen und frauenfeindlichen Gesellschaft im damaligen Judäa. Frauen hatten nichts zu sagen, keine Rechte (schon gar nicht auf ein selbstbestimmtes Leben), kaum Ansehen, ja nicht einmal beten durften sie. Die beherzt auftretende, selbstsichere und unbeugsame Maria Magdalena bricht aus diesen – schon damals – antiquierten, verkrusteten Verhältnissen aus und zeigt gewissermaßen, dass auch vor tausenden von Jahren schon Emanzipation möglich war. Auf Unverständnis und Ärger von Seiten ihrer Familie, folgen Monate der Selbstfindung und Erkenntnisse an der Seite des wichtigsten Mannes, dem sie in ihrem Leben begegnen wird: Jesus von Nazareth.

Regisseur Davis betont bewusst jene Frauenfeindlichkeit. Er will klarmachen, dass sich in bestimmten Regionen der Welt (siehe Naher Osten) an diesem Missstand bis heute nicht sonderlich viel geändert hat. Die Kernbotschaft seines Werks. Darüber hinaus verfügt der Film mit Rooney Mara, die ihre Figur mit Würde aber auch großer Verletzlichkeit spielt, sowie Joaquin Phoenix als uneitler Jesus, über zwei überzeugende Hauptdarsteller. Schade ist, dass der Soundtrack einige Szenen zu sehr dominiert und sie in der Folge in einer dicken Soße aus Pathos und Kitsch ertränkt. Auch hätte sich Davis bei den Dialogen etwas zurückhalten können. Mitunter legt er seinen Figuren allzu aufgesetzt wirkende, affektierte Worthülsen und theatralisch anmutende, larmoyante Kalendersprüche in den Mund, die nicht selten unfreiwillig komisch wirken.

Zitat: Großartig gespieltes Bibel-Drama, das einen ungewöhnlichen Blick auf die allseits bekannte Passionsgeschichte liefert. Leider erliegt der Film zu oft der Versuchung, seine esoterischen Elemente und spirituellen Botschaften mit Pomp und Pathos auszustatten bzw. zu präsentieren.




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