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Kritik: Licht (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In "Licht" schildert die in Wien geborene Barbara Albert ("Fallen", "Die Lebenden") nach einem Drehbuch von Kathrin Resetarits (welches lose auf dem 2010 veröffentlichten Roman "Am Anfang war die Nacht Musik" von Alissa Walser basiert) eine Jugendepisode aus dem Werdegang der Pianistin Maria Theresia von Paradis (1759-1824). Das seit früher Kindheit blinde "Wunderkind", das im Laufe seines Lebens als Klavierspielerin, Komponistin sowie als Musikpädagogin tätig war, ließ sich im Jahre 1777 von dem Arzt und Magnetiseur Franz Anton Mesmer (1734-1815) therapieren – und war tatsächlich davon überzeugt, das verlorene Sehvermögen in Ansätzen wiederzugewinnen.

Mesmers Heilmethode wurde seinerzeit von der Wiener Ärzteschaft als Betrug eingestuft. In Alberts Film geht es nun auch weniger um die Frage, ob alles, was Mesmer und Maria Theresia von Paradis gemeinsam erarbeiten, nur Irreführung beziehungsweise reine Imagination ist. Vielmehr wird der seelische Zustand der jungen Frau gezeigt – und die Epoche des Wiener Rokoko präzise eingefangen. Mit ihrer grellen Schminke, der turmhohen Perücke sowie der ausladenden Garderobe wirkt die Protagonistin wie im eigenen Körper gefangen; Kostüm und Maske werden hier gekonnt eingesetzt, um von Repression zu erzählen. In den Salons wird die begabte Pianistin mit den entzündeten Augen von ihren Eltern vorgeführt und erntet neben Begeisterung für ihre Virtuosität auch reichlich Spott für ihre äußere Erscheinung; die Eltern werden von Nutz- und Leistungsdenken angetrieben – wodurch "Licht" zugleich zu einem sehr aktuellen Werk wird. An einer Stelle erklärt Maria Theresia von Paradis, dass sie durch ihr fehlendes Augenlicht auch von anderen nicht gesehen werde und deshalb eigentlich gar nicht lebe.

Maria Dragus ("Das weiße Band", "Tiger Girl") bringt die Tragik der talentierten Musikerin überzeugend zum Ausdruck; sie lässt uns die Sensibilität von Maria Theresia von Paradis und deren Überwältigung im Laufe der Behandlung spüren. Devid Striesow ("Zeit der Kannibalen", "Ich bin dann mal weg") pendelt als umstrittener Mediziner ebenfalls glaubhaft zwischen Empathie für seine Patientin und dem dringenden Wunsch nach Anerkennung in akademischen Kreisen.

Fazit: Eine mit Feingefühl in Szene gesetzte Mischung aus Kostümfilm und Charakterstudie – mit hoher Relevanz und einer äußerst starken Hauptdarstellerin.




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