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Grüner wird's nicht, sagte der Gärtner und flog davon
Grüner wird's nicht, sagte der Gärtner und flog davon
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Kritik: Grüner wird's nicht, sagte der Gärtner und flog davon (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Florian Gallenbergers Karriere legte einen Traumstart hin. "Quiero ser", sein Abschlussfilm an der Hochschule, erhielt 2001 einen Oscar als bester Kurzfilm. Auch im Anschluss widmete sich der 1972 geborene Münchner eher schwerer Kost. Auf "Quiero ser", der vom Alltag mexikanischer Straßenkinder erzählt, folgten mit "Schatten der Zeit" (2004) ein Drama, das in der indischen Textilindustrie spielt, mit "John Rabe" (2009) ein Weltkriegsepos und 2015 der Sektenthriller "Colonia Dignidad". Mit "Grüner wird’s nicht ..." gibt Gallenberger nun nicht nur sein leichtfüßiges Komödiendebüt, sondern legt auch seinen ersten Film vor, den er komplett in Deutschland gedreht hat.

Wie sich das für ein Roadmovie gehört, ob auf der Straße oder wie bei Gallenberger über den Wolken, ist die Reise eine zu sich selbst und der Protagonist an deren Ende ein anderer. Teenagerin Philomena bringt die nötige Lockerheit mit und dem alten Grantler und Pedanten bei, auch mal alle Fünfe grade sein zu lassen. Flughafenbesitzerin Hannah bricht Schorschs angeknacksten Panzer schließlich durch eine Lektion in Liebe vollständig auf.

Der reservierte Eigenbrötler, der erst durch widrige Umstände die eigenen Gefühle entdeckt, ist wie gemacht für Elmar Wepper. Gemeinsam mit Emma Bading und Dagmar Manzel ist die Verfilmung von Jockel Tschierschs gleichnamigem Roman in den drei zentralen Rollen wunderbar besetzt. Auch zwischen Monika Baumgartner und Karolina Horster, die in der Parallelhandlung Schorschs zurückgelassene Frau und Tochter geben, ist die Chemie prächtig. Ulrich Tukur und Sunnyi Melles bringen als skurrile Nebenfiguren ein wenig absurden Humor in den Film.

Drehbuchautor Gernot Gricksch strickt aus der Vorlage einen gelungenen, aber auch etwas einförmigen Selbstfindungstrip, der mit der einen oder anderen bissigen Punchline überrascht. Dank Erwin Pribs einfallsreich gestalteten Sets und Daniela Knapps fein ausgeleuchteten Einstellungen sieht das Ganze auch nach Kino aus. Doch Gallenberger meint es mit dem Wohlfühlfaktor am Ende etwas zu gut. Das raubt seinem Film auf dem Weg zum vorhersehbaren Ende ordentlich Auftrieb.

Fazit: "Grüner wird's nicht ..." ist eine gelungene Romanverfilmung, die leichtfüßig-frech loslegt, gegen Ende aber etwas zu sehr in die Wohlfühlecke abdriftet. Florian Gallenbergers Komödiendebüt überzeugt in erster Linie durch sein spielfreudiges Ensemble.




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