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A Ghost Story
A Ghost Story
© Universal Pictures International

Kritik: A Ghost Story (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Ein Gespenst wie aus dem Bilderbuch ist die Hauptfigur dieses romantischen Mysterydramas von David Lowery ("Elliot, der Drache"). Seine menschliche Figur ist vollständig von einem weißen Tuch umhüllt und wo seine Augen sein sollten, klaffen zwei schwarze Löcher im Stoff. Durch einen Unfall jäh aus seinem jungen Leben gerissen, kehrt C in dieser Gestalt in das Haus zurück, in dem die Frau, die er liebte, um ihn trauert. Wenn er sie tröstend berührt, bemerkt sie das nicht. Anders als sie ist Cs Geist an dieses Haus gebunden und an ein Leben, das er nicht wiederfindet.

Der Independentfilm vertieft sich mit ungewöhnlichen Stilmitteln, zu denen vor allem lange, statische Einstellungen gehören, in die stumme Existenz dieses Geistes und sein spezifisches Bewusstsein. Dabei entsteht eine eigentümliche, intensive Atmosphäre, die für intuitives Verstehen sorgt. Der Geist scheint sich in einem Abenteuer mit ungewissem Ausgang zu befinden, das er kaum selbst steuern kann und das für hochinteressante Wendungen im letzten Abschnitt sorgt. Casey Affleck darf nicht nur am Anfang der Geschichte Gesicht zeigen, sondern auch in den Erinnerungssequenzen. Rooney Mara überzeugt als trauernde M, die kühl um Selbstbeherrschung kämpft und doch sehr verletzlich wirkt.

Es wird naturgemäß wenig geredet in diesem Film, der mitunter regelrecht stillzustehen scheint. So mag sich die Zeit in der Wahrnehmung eines solchen Übriggebliebenen dehnen und seine Gewissheiten verrücken. Zum Reiz des Films gehört, dass er mit den Erwartungen an Schreckensmomente spielt, Lampen flackern lässt und dann die Gespensterklischees größtenteils doch wieder beiseite schiebt. In einer zentralen Szene des Films hält ein Mann (Will Oldham) auf einer Party eine Rede, in der er danach fragt, ob sich Jahrhunderte, Jahrtausende später noch jemand an Beethovens Sinfonien erinnern wird. Cs Geist klammert sich an Erinnerungen, an Bedeutungen und Symbole, die er doch nicht mehr richtig zu fassen kriegt. So wird dieser Film spiegelbildlich auch zu einer Meditation über die Dinge und Möglichkeiten, die im Leben auf der Strecke bleiben.

Mit seinem fast quadratischen Format erweckt der Film den Eindruck eines Guckkastens. Dieser beengte Rahmen fokussiert die Konzentration und signalisiert Heimlichkeit. Der Späher wird zum Komplizen. Lowerys Gespensterfilm fasziniert, weil er keine Berührungsängste gegenüber seinem verhüllten Protagonisten kennt.

Fazit: Ein Gespenst ist der Held dieses romantischen Dramas von David Lowery, das über Vergänglichkeit philosophiert. Mit seiner Stille und den langen, statischen Einstellungen fühlt sich der Film sehr intensiv in diesen Geist eines früh verstorbenen Mannes ein, dem der menschliche Zeitbegriff nichts mehr gilt und der sich an das Haus klammert, das er mit seiner geliebten Frau teilte. Die eigentümliche Atmosphäre und die überraschenden Volten der Handlung sorgen dafür, dass dieser philosophische Geisterfilm die Zuschauer in seinen Bann schlägt.






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