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Roman J. Israel, Esq. - Die Wahrheit und nichts als...rheit
Roman J. Israel, Esq. - Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit
© Sony Pictures

Kritik: Roman J. Israel, Esq. - Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Roman J. Israel, Esq." ist angelehnt an das 82er-Drama "The Verdict", das Sydney Lumet damals mit Paul Newman verfilmte. Darin geht es um einen engagierten, an die Gerechtigkeit glaubenden früheren Spitzenanwalt. Regie bei "Roman J. Israel, Esq." führte der Kalifornier Dan Gilroy, für den es erst der zweite Spielfilm ist. Sein Debüt als Filmemacher gab er 2014 mit dem Thriller "Nightcrawler". Zuvor machte er sich einen Namen als Drehbuchautor, u.a. für Kassenhits wie "Real Steel", "Kong: Skull Island" oder auch "Das Bourne Vermächtnis". Gilroy drehte die 35-Millionen-Dollar-Produktion an Originalschauplätzen in Los Angeles.

Das Anwaltsdrama wird einzig und allein von Denzel Washingtons einnehmender Performance als groß- und gutmütiger Jurist Roman J. Israel getragen. Der Film ist dabei ganz auf seinen charismatischen Darsteller zugeschnitten: in Sachen Handlung, Dramaturgie und Inszenierung. Hier und da wagt sich Regisseur Gilroy auch mal ein wenig an seine Nebenfiguren und deren Alltagssorgen heran – neben dem geldgeilen Karriere-Anwalt George Pierce (überzeugend von Colin Farrell verkörpert) vor allem an die Gleichstellungsaktivistin und Menschenrechtlerin Maya Alston (Carmen Ejogo).

Doch im Zentrum steht doch immer wieder Israel, dieser mit voluminöser Afrofrisur ausgestatte, exzentrische Querkopf, der noch nicht mal über ein Smartphone verfügt. Stattdessen aber unzählige Neurosen und Ticks sein eigen nennt. Es geht in dem Film – vor allem zu Beginn – auch um Romans Kampf gegen die Ungerechtigkeiten und die Vorverurteilungen in der Welt, gerade gegen die Schwarzen. Einen Bruch erlebt Roman mit seiner Kündigung und dem Tod seines langjährigen Mentors. Allmählich wird ihm klar, dass ehrliche, anständige und aufrichtige Menschen, die sich noch dazu ihr Leben lang für die Benachteiligten und Schwachen eingesetzt haben (wie er selbst), nicht automatisch weiter kommen oder für ihren Einsatz belohnt werden. Diese Erkenntnis macht etwas mit Washingtons Charakter. Sie lässt ihn verzweifeln an der Welt und an den Menschen.

Jene traurige Einsicht spiegelt sich auch in Romans Gestik, Mimik und allgemeinem Verhalten wieder. In seinem Gang, in der Musik die er in der Bahn hört oder wie er mit anderen Menschen kommuniziert. Denzel Washington ist in der Rolle dieses engagierten aber letztlich glücklosen Advokats eine Wucht. Noch einnehmender verkörpert er den erneuten Wandel im Wesen seiner Figur und den moralischen Bruch, wenn Roman erstmals selbst etwas Illegales tut und damit das Gesetz bricht. Dies ist jedoch leider die einzige überraschende Wendung in einem sonst zu weiten Teilen immer wieder ereignislos vor sich hin dümpelnden Film, der fast komplett ohne Spannungsbogen auskommen muss.

Fazit: Hervorragende Darsteller allein machen noch keinen guten Film – Das Anwaltsdrama "Roman J. Israel, Esq." verfügt mit Denzel Washington über einen einnehmenden, kraftvollen aufspielenden Hauptdarsteller, krankt jedoch am fehlenden Spannungsbogen und einem ereignisarmen, gefälligen Erzählfluss.




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