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Kritik: 7500 (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Langfilmdebüt des deutschen Regisseurs Patrick Vollrath ist ein atemberaubender Thriller, der sich fast vollständig in der Enge eines Flugzeug-Cockpits abspielt. Mit ihrem Star Joseph Gordon-Levitt in der Rolle des Kopiloten Tobias Ellis schildert die deutsch-österreichische Koproduktion den unberechenbaren Verlauf einer versuchten Flugzeugentführung durch muslimische Terroristen.

Der Kopilot ist weitgehend auf sich allein gestellt in dem verriegelten Cockpit, vor dessen Tür die Terroristen mit der Ermordung von Insassen drohen. Weder der Sprechfunkkontakt mit der Bodenstation, noch die beiden Eurofighter, die aufgestiegen sind, um das Flugzeug zu begleiten, können ihm helfen, als die Situation an Bord eskaliert. Vollrath, der in Wien bei Michael Haneke studierte, erhielt 2016 für seine Abschlussarbeit, den Kurzfilm "Alles wird gut", eine Oscar-Nominierung.

Das Drehbuch von Vollrath und Senad Halilbasic gliedert die Handlung in verschiedene Etappen, die die Spannung immer aufs Neue schüren. Als die Notlandung auf dem Flughafen Hannover beschlossen ist, scheint es zunächst nur noch um die Frage zu gehen, was vor der verriegelten Cockpit-Tür geschieht. Werden die Terroristen das Ziel der sicheren Landung vereiteln können?

Als Zuschauer ist man emotional bereits vollkommen in das Geschehen hineingezogen, fiebert, bangt und hofft mit dem jungen Kopiloten mit. Gordon-Levitt spielt ihn hervorragend in seiner Not und wachsenden Seelenpein, in die sich so etwas wie Resignation mischt. Denn Tobias muss Entscheidungen über Leben und Tod treffen. Was sich an Bord abspielt, raubt ihm schier den Verstand, und doch versucht er, die Maschine sicher zu steuern, um die völlige Katastrophe zu verhindern.

Eine neue Etappe entsteht, als der bewusstlose Attentäter Kenan im Cockpit erwacht und sein Kumpan Vedat in die Pilotenkanzel eindringen kann. Alles scheint verloren, aber Vedat und Kenan verfolgen nicht mehr denselben Plan. Nun ist Tobias‘ psychologisches Geschick gefragt, um Vedat zu beruhigen und vielleicht sogar umzudrehen. Er weiß, dass er den jungen Mann belügt, dass auch die Polizei, die sich bald über Funk meldet, Vedat belügt.

Die hervorragende Dramaturgie lässt einen fast vergessen, dass sich der angeblich nur 20 Minuten lange Flug nach Hannover doch in die Länge zieht. Andererseits passt das Gefühl, dass sich die Zeit dehnt, doch sehr gut zur Hilflosigkeit des Kopiloten an Bord, die aus Sekunden eine Ewigkeit machen kann, während der Thriller keine Minute zu lang dauert.

Fazit: Das Langfilmdebüt des Regisseurs Patrick Vollrath ist ein Thriller von atemberaubender Spannung. Fast vollständig in der Enge des Cockpits gedreht, schildert er den Kampf eines Kopiloten gegen Terroristen, die das Passagierflugzeug in ihre Gewalt zu bringen versuchen. Joseph Gordon-Levitt spielt den Hauptcharakter hervorragend in seinem einsamen Ringen um die Entscheidung, ob er den Forderungen der Attentäter nachgeben oder den Tod von Geiseln in Kauf nehmen soll.




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