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Kritik: Rewind: Die zweite Chance (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Das Spielfilmdebüt von Regisseur Johannes F. Sievert stellt sich als eine originelle und gewagte Verknüpfung von Krimi- und Science-Fiction-Genre heraus. Zumindest kann diesem durchaus spannenden Film nicht wie vielen anderen deutschen Produktionen vorgeworfen werden, keine neuen Wege zu beschreiten. Allerdings gerät dieser Weg auch recht steinig, weil die Handlung, sobald die Ebene der Realität um Zeitreisen erweitert wird, einerseits sehr kompliziert gerät und andererseits unbekümmert naiv gestrickt wirkt.

Zunächst vertieft sich die Geschichte mit attraktivem Noir-Einschlag in das Leben von Kommissar Richard Lenders, der seine Frau verliert und sich nach einer Trauerphase zurück in den Beruf zwingt. Alex Brendemühl spielt den schweigsamen Lenders sehr beeindruckend als Mann, der seine Gefühle hinter einer rauen Schale verbirgt. Von Anfang an faszinieren die Aufnahmen und die Bildmontage, die den Zuschauer gekonnt in das Geschehen hineinziehen und merkwürdige Fährten legen. Da gibt es zu Beginn diese Sequenz, in der ein bunter Schmetterling mitten im Trubel der Großstadt Kinder anlockt, doch in einer Verkettung unglücklicher Umstände kommt es zu einem Auffahrunfall, der den Tagesablauf von Lenders und seiner Frau durcheinanderbringt. Beatrice Lenders muss dann in der Bank länger warten als geplant und gerät in den Überfall. Was ist Zufall, was Vorbestimmung, inwiefern können wir Einfluss auf den Lauf der Dinge nehmen und was hat das alles mit der modernen Teilchenphysik zu tun?

Sievert bringt dann recht unvermittelt mit der Physikerin Sophia van Thijssen das Thema der Teleportation aufs Tapet. Es wird als logische Fortsetzung der Quantenphysik präsentiert, derzufolge die Beobachtung eines Vorgangs diesen verändern soll. Ist das Mordopfer Tiede durch die Zeit gereist? Das Bewegtbild gerät ein-zweimal vielsagend ins Stolpern, ein Taxifahrer erinnert sich an seinen Fahrgast Lenders, aber dieser nicht an ihn… Und an der Uni setzen die Forscher den Kommissar in eine Kabine, um ihn an einen anderen Ort zu katapultieren. Ach, überwindet man in der Forschung die Gesetze der Realität einfach so im stillen Kämmerlein, ohne dass die Welt draußen etwas davon erfährt? Hier wird die Geschichte zu naiv und märchenhaft, während der Krimiplot zwischen Vergangenheit und Gegenwart verworren hin- und herspringt. Nur der Kommissar, der bleibt ein Kind der Traurigkeit.

Fazit: Das Spielfilmdebüt von Regisseur Johannes F. Sievert schlägt auf gewagte Weise eine Brücke zwischen dem Krimi- und dem Science-Fiction-Genre. Der von Alex Brendemühl mit überzeugender Noir-Attitüde gespielte Kölner Kommissar Richard Lenders stößt in einem Mordfall auf eine Formel, die eine junge Physikerin für ihre Forschungen zur Teleportation nutzen kann. Mit Lenders als Versuchsobjekt mäandert der komplizierte Kriminalfall zwischen den Zeiten herum und schaut naiv unbekümmert über Fragen zur Glaubwürdigkeit hinweg. So entwickelt sich die visuell elegante Inszenierung zum durchwachsenen Filmerlebnis.




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