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Kritik: Swimming with Men (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Im Wasser kann der Mensch ein neues Lebensgefühl bekommen, sich leichter fühlen und fließenden Bewegungen anvertrauen, diverse Verspannungen lösen. Der geplagte Buchhändler Eric, der im Zentrum dieser britischen Komödie steht, erfährt in einer Gruppe männlicher Synchronschwimmer ein neues Gemeinschaftsgefühl. Das Training im nassen Element flößt ihm allmählich Selbstvertrauen und neue Lebensfreude ein. Regisseur Oliver Parker ("Johnny English – Jetzt erst recht!") vertraut bei dieser Geschichte – Wasser hin oder her - auf britisch-trockenen Schmunzelhumor.

Die Komödie ist inspiriert vom schwedischen Dokumentarfilm "Men Who Swim" aus dem Jahr 2010 über eine Gruppe, die bei der inoffiziellen Weltmeisterschaft im Synchronschwimmen in Mailand antritt. Offiziell ist Synchronschwimmen immer noch ein Frauensport, etwa bei den Olympischen Spielen. In diesem Spielfilm treten die echten schwedischen Schwimmer aus dem Dokumentarfilm ebenfalls auf. Sie spielen die schwedische Favoritenmannschaft, gegen die sich das englische Ensemble in Mailand durchsetzen will. Auch der schwedische Trainer aus dem Dokumentarfilm kam an Bord und arbeitete hinter der Kamera mit den Schauspielern, die nicht gedoubelt wurden.

Aus den ungelenken Bewegungen der Männer beim Wasserballett und der zweifelhaften Eleganz ihrer halb gestreckten Beine erwächst dem Film eine reizvolle Komik. Der Spaß, den die Männer beim Figurentanzen im Wasser entwickeln, sieht oft sehr ernst aus. Eric, der Buchhalter, kann auch darin seinen Hang zur Akribie austoben. Seine Mitstreiter sind ebenfalls recht einsame, problembeladene Männer, die im Alltag nicht viel zu lachen haben. Aber hier erobern sie sich sozusagen neues, unbekanntes Territorium. Die Komödie macht Mut, aus dem Trott auszubrechen und ungewöhnliche Dinge auszuprobieren. Trotz ihres verhaltenen, zuweilen aber auch flapsigen Humors findet sie zwischendurch fantasievolle Bilder für Erics allmähliche Verwandlung.

Die Charaktere in der Männergruppe ergeben dramaturgisch eine gute Mischung. Ihre Darsteller statten sie mit viel Selbstironie aus. Auch im Umgang untereinander regiert oft ein spöttischer Tonfall. Er kann natürlich die wachsende Herzlichkeit nicht verbergen, die die Männer nach anfänglicher Fremdheit verbindet. Die skurril angehauchte Komödie bietet Kinovergnügen, das sich ein wenig abseits des Mainstreams verortet.

Fazit: Regisseur Oliver Parker hat eine mit trockenen britischem Humor versehene Komödie inszeniert, die von einem schwedischen Dokumentarfilm über männliche Synchronschwimmer inspiriert ist. Die Londoner Männer, die sich im Hallenbad zum Synchronschwimmen treffen, empfinden ihr ungewöhnliches Hobby als Kontrastprogramm zum freudlosen Alltag. Dass sie unvorteilhaft aussehen, wissen sie selbst, aber mit dem nötigen Ernst wollen sie es weit bringen und nehmen die inoffizielle Weltmeisterschaft ins Visier. So haben die Zuschauer viel Gelegenheit zum Schmunzeln, während ihnen die Charaktere zunehmend sympathisch werden.




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