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FBW-Bewertung: Freddy/Eddy (2016)

Prädikat wertvoll

Jurybegründung: Für Freddy bricht eine Welt zusammen. Er soll seine Frau zusammengeschlagen haben, weiß aber nichts davon. Die Folge: Sie lässt sich scheiden und bekommt auch noch das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn. Dann taucht plötzlich auch noch Freddys imaginärer Freund aus Kindheitstagen, Eddy, wiederbei ihm auf. Und wieder scheint nur er ihn sehen zu können. Allerdings mischt sich Eddy diesmal recht tatkräftig in Freddys Leben ein. Und weil sich die Beiden gleichen, wie ein Ei dem anderen, kann Eddy ziemlichen Schaden anrichten. Allmählich kommen Freddy Zweifel, ob Eddy wirklich nur in seiner Phantasie existiert.

Kain und Abel, Kastor und Pollux, Dr. Jekyll und Mr. Hyde: der Kampf nahezu identischer Charaktere ist so alt wie die menschliche Kulturgeschichte. Mit dem Psychothriller FREDDY/EDDY hat Regisseurin Tini Tüllmann ihren Teil zu dieser Geschichte beigesteuert.

Mit irrwitzig geringem Budget, gänzlich ohne jede Spur von Filmförderung und letztlich auch ohne Verleih hat Tüllmann einen Psychothriller gedreht und in die Kinos gebracht. Das verdient Respekt. FREDDY/EDDY ist ein professionell gemachter Film, der der Jury vor allem durch treffende Bilder, gute Kamera, tolles Licht und einengelungenen Score aufgefallen ist. In einen kleinen Ort am Tegernsee, wo die Nachbarschaft immer sehr viel mehr weiß, als man ahnt, hat Tüllmann die Handlung gelegt. So frostig und bedrohlich wie das Wetter ist auch die Stimmung dort. Das Setting ist gut gewählt, die Atmosphäre ist perfekt und dennoch äußert sich die Jury in der Filmdiskussion auch kritisch über den Film.

Dass es nicht gut um Freddys geistige Gesundheit steht, hat die Jury schon gleich zu Beginn des Films bemerken können. Immerhin spült er einen Haufen Pillen mit einem großen Schluck Bier herunter. Insgesamt hat Regisseurin Tüllmann ihre Charaktere also in den Augen der Jury vielleicht ein wenig eindimensional angelegt. Herzensgute neu zugezogene Nachbarin, arrogante Galeristin, genervter Halbbruder - auch wenn die Darsteller gut gewählt und die Charaktere gut gespielt sind, ist Tüllmanns Figuren schon früh abzulesen, wer, was oder wie sie sind. Das will die Jury keinesfalls den Schauspielern anlasten. Die Besetzung ist zumeist hochkarätig und gut ? ein wirklich toller Cast! Allen voran hat Burghart Klaußner als Psychologe gefallen, der beständig versucht, das Letzte aus Protagonist Freddy heraus zu kitzeln. Dessen Figur hat Tüllmann aber in manchen Szenen so hilflos angelegt, dass der um seinen Verstand fürchtende Freddy nicht immer genügend Tiefe entwickeln kann. Besonders im Kontrast zu Eddy ist das zu bemerken, der im Film wie die Inkarnation des Bösen selbst erscheint und eindeutig die belastbarere Rolle ist.

Das ist schade, denn FREDDY/EDDY ist abgesehen von diesen Kritikpunkten ein waschechter, solider Genrefilm. Spannend gemacht, mit interessanter Geschichte und der beständigen Frage nach dem, was Realität und was Phantasma ist. Auch wenn die Jury einige redundante Längen bemängelt, hat sie Lust gehabt, sich immer wieder mit dem Filmgeschehen zu verzahnen, und auf die spannende Auflösung gewartet, in der sich zeigt, was wirklich hinter der Figur des Eddy steckt.




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