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Kritik: 303 (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In "303" schildert der Filmemacher Hans Weingartner ("Die fetten Jahre sind vorbei", "Die Summe meiner einzelnen Teile") einen Europa-Trip zweier twentysomethings in einem alten Wohnmobil. Die Fahrt des Duos, die über Autobahnstrecken und Landstraßen von Berlin nach Köln und schließlich über die Landesgrenzen hinaus nach Belgien, Frankreich, Spanien und Portugal führt, hat etwas angenehm Entschleunigtes: Während das Reisen durch Billigflüge schneller und das Kennenlernen durch Dating-Apps (vermeintlich) effizienter geworden ist, gesteht das Werk sowohl der Fortbewegung als auch der Romantik die nötige Zeit zu. "Zeit haben zur Liebe" (wie es in einem vorangestellten Rainer-Maria-Rilke-Zitat heißt) – diesen Luxus erlaubt sich das 145-minütige Zwei-Personen-Kinostück und wirkt dabei zu keiner Sekunde langatmig.

Das Skript, welches Weingartner zusammen mit Silke Eggert verfasst hat, wartet in den Dialogen zwischen den Hauptfiguren Jan und Jule mit zahlreichen Themen auf. Es geht um Suizid, um Kapitalismus und Kommunismus, um Evolution, Liebe und Sex. Gewiss muten die Gespräche der beiden Studierenden oft etwas zu ausgefeilt an, um noch als spontane Wortwechsel zwischen zwei Menschen Mitte 20 durchzugehen. Dennoch gelingt es zumeist, das Ganze nicht zu abstrakt werden zu lassen.

Neben den einnehmenden Bildern, die der Regisseur zusammen mit den Kameramännern Sebastian Lempe und Mario Krause findet, ist dies nicht zuletzt dem zentralen Schauspiel-Paar zu verdanken. Mala Emde ("Wir töten Stella") und Anton Spieker ("Von jetzt an kein Zurück") schaffen es nicht nur, perfekt miteinander zu (dis-)harmonieren; sie verleihen zudem jedem Diskurs – sei es über die Forschung von Charles Darwin oder über chemische Vorgänge im menschlichen Körper – etwas Natürliches. Das klug-unterhaltsame Debattieren der beiden Figuren erinnert an Richard Linklaters dialogstarke Arbeit "Before Sunrise" (1995), bei welcher Weingartner einst als Produktionsassistent tätig war.

Fazit: Ein Film, der sich Zeit nimmt – fürs Philosophieren und Diskutieren, für das Reisen und die Romantik. Das Duo Mala Emde und Anton Spieker spielt hinreißend.




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