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Was werden die Leute sagen
Was werden die Leute sagen
© Pandora Film

Kritik: Was werden die Leute sagen (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der zweite Spielfilm der Regisseurin Iram Haq ("I Am Yours") erzählt die Geschichte einer Jugendlichen, die zwischen zwei zum Teil konträren Kulturen zerrieben zu werden droht. Iram Haq wuchs in Norwegen als Tochter pakistanischer Einwanderer auf und kennt den kulturellen Spagat, den ihre Filmfigur Nisha zwischen Elternhaus und Schule erlebt, aus eigener Erfahrung. Der große Konflikt mit ihren Eltern ist für Nisha vorprogrammiert, ohne dass sie es selbst so richtig merkt. Schließlich hat sie ein gutes Verhältnis zu ihnen, besonders auch zu ihrem Vater. Er ist stolz auf die gute Schülerin. Aber sie mit einem jungen Mann in ihrem Zimmer zu erwischen, bedeutet für ihn automatisch, dass es sexuellen Verkehr gab. Kommt es nun nicht zur Ehe, befürchten die Eltern den sozialen Tod in ihrem pakistanischen Umfeld. Für die Tochter wird die Situation lebensgefährlich.

Auch in Deutschland kann es passieren, dass junge Mädchen und Frauen aus dem arabischen Kulturkreis von ihrer eigenen Familie eingesperrt, verschleppt oder gar ermordet werden. In diesem Film beginnt alles ganz harmlos, anfangs tanzt der Vater noch unbeschwert an seinem Geburtstag. Aber dass er abends routinemäßig in die Zimmer seiner Kinder schaut, lässt ein starkes Kontrollbedürfnis erahnen. Und dann behandelt er seine Tochter plötzlich, als habe sie sämtliche Rechte eingebüßt und als könne er über sie richten. Iram Haqs Film schildert sehr eindrücklich, in welcher Not Nisha steckt, die ihre Eltern liebt und nichts sehnlicher will, als sich mit ihnen zu versöhnen. Das Drama zeigt auch auf, dass es für die norwegische Jugendbehörde schwierig ist, zu Nisha im Gespräch durchzudringen, die kulturelle Barriere zu überwinden und ihre Mentalität zu verstehen.

Europäische Zuschauer werden vielleicht Probleme damit haben, das rigide, feindselige Verhalten der Eltern gegenüber der Tochter auch nur halbwegs nachzuvollziehen. Der Aufenthalt in Pakistan hat albtraumhafte Züge und öffnet Nisha die Augen in Bezug auf das Frauenbild und die Doppelmoral der Gesellschaft, aus der die Eltern stammen. Aufgrund der drastischen Szenen herrscht in diesem Film eine Atmosphäre lähmender Bedrückung. Die versöhnlichen Töne, die sich irgendwann vernehmen lassen, kommen leider spät und ebenso abrupt wie der Beginn von Nishas Unglück.

Fazit: Die norwegische Regisseurin Iram Haq schildert in diesem Drama in drastischen, bedrückenden Bildern, wie eine Jugendliche wegen eines Treffs mit einem norwegischen Jungen bei ihren aus Pakistan stammenden Eltern in Ungnade fällt. Die Gewalt, die das Mädchen nach diesem Vorfall erfährt, schockiert. Die Kluft zwischen den beiden Kulturen scheint für das Mädchen und ihre Eltern auf einmal unüberbrückbar und entwickelt eine Sprengkraft, die Leben zerstören kann. Iram Haq gelingt es zu verdeutlichen, wie groß die Not einer Tochter ist, die sämtliche emotionalen Sicherheiten verliert.





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