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Kritik: Die Nacht der Nächte (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Şamdereli-Schwestern feierten ihren Durchbruch mit der Komödie "Almanya – Willkommen in Deutschland", die 2011 in die Kinos kam. Sie entschieden sich bei "Die Nacht der Nächte" dazu, nicht nur Realaufnahmen zu verwenden. Ergänzt wurden die Interviews und Szenen bei den Ehepaaren vor Ort in den jeweiligen Ländern, um verspielte Knet-Animationen. "Die Nacht der Nächte" ist der zweite Kinofilm der Regie-Schwestern.

Das Tolle an "Die Nacht der Nächte" ist seine Ehrlichkeit und die authentische Darstellung der Lebensrealitäten und -wirklichkeiten der acht porträtierten Menschen. Und: der Partnerschaften in denen sie seit so langer Zeit leben. Der Film beschönigt nichts und verklärt auch nicht den Alltag in Liebesbeziehungen, in dem natürlich bei weitem nicht alles harmonisch und stressfrei verläuft. Im Gegenteil: es wird gestritten, sich angeschwiegen, heftig debattiert und miteinander gelitten. Aber es gibt auch Momente voller Hingabe und Leidenschaft. Dazu Zärtlichkeiten, die ausgetauscht und unvergessliche Erlebnisse die miteinander geteilt werden. "Die Nacht der Nächte" porträtiert gewissermaßen dieses Auf und Ab einer beständigen, langjährigen Partnerschaft. Eine Partnerschaft, wie sie die drei heterosexuellen und das eine homosexuelle Paar im Film leben.

Das erkennt man bereits daran, dass Yasemin Samdereli und Nesrin Samdereli die vier Paare in verschiedensten (Alltags-) Situationen begleiten und auf diese Weise auch deren unterschiedliche Stimmungen ganz unverstellt und ungefiltert einfangen: ob im Freien, beim Kochen, am Esstisch oder während der vielen Gespräche bzw. Interview-Sequenzen, die den Schwerpunkt des Films bilden. Den Regisseurinnen gelingt es problemlos, Vertrauen zu ihren Protagonisten aufzubauen. Mit der angenehmen Konsequenz, dass sich die Paare vor der Kamera redselig sowie freimütig geben und aus dem Nähkästchen plaudern. So entlocken die Şamderelis den "Liebenden" so manch intimes Bekenntnis, heitere Anekdote aber auch ehrliche und reflektierte Einschätzungen über die auch nicht immer einfachen Zeiten.

Besonders bewegend sind die Momente in denen klar wird, welchen Anfeindungen sich z.B. Bill und Norman, das schwule Paar, ausgesetzt sahen, ehe sie eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen konnten. Sie leben in einem der rückständigsten, von antiquierten Ansichten geprägten Bundesstaat, in dem es Schwule und Lesben bis heute schwer haben. Oder wenn Kamala und Nagarajayya, die beiden Inder, über ihre schmerzvollen Erfahrungen mit ihren Familien berichten. Diese konnten lange damit akzeptieren, dass die Beiden verschiedenen Kasten entstammen. Das macht eine Eheschließung in Indien eigentlich unmöglich.

Sympathisch und gelungen ist die Idee, die Charaktereigenschaften und Eigenarten der Protagonisten bzw. Paare mit Hilfe von charmanten Knet-Animationen zu illustrieren. Sie bringen nochmals Schwung und Abwechslung in die ohnehin nie langweilige Inszenierung.

Fazit: Liebenswürdiges, kluges und mit abwechslungsreichen Animationen angereichertes Porträt über vier völlig unterschiedliche Paare, die seit mehr als fünfzig Jahren ihr Leben miteinander teilen.




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