Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: 7 Tage in Entebbe (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der Thriller des brasilianischen Regisseurs José Padilha ("Tropa de Elite") vertieft sich in die Geschichte einer terroristischen Flugzeugentführung, die im Sommer 1976 die Welt in Atem hielt. Über 200 Menschen befanden sich in der Gewalt palästinensischer und zweier deutscher Terroristen. Der weitgehend um Authentizität bemühte Spielfilm schildert nicht nur das Geschehen am Flughafen von Entebbe in Uganda, wo die Geiseln sieben Tage lang um ihr Leben fürchten müssen, sondern auch die Krisensitzungen der israelischen Regierung. An beiden Schauplätzen gibt es Konflikte bezüglich des richtigen Vorgehens.

In Rückblenden zeigt der Film, wie unterschiedlich die Motivation der deutschen und der palästinensischen Entführer von Anfang an war. In Deutschland befindet sich der Linksterrorismus, ein Jahr vor dem Deutschen Herbst, in der Krise. Das führende RAF-Mitglied Ulrike Meinhof hat sich im Gefängnis umgebracht. Böse und Kuhlmann wollen mit einer spektakulären Aktion dem militanten Linksextremismus neuen Auftrieb geben. Die palästinensischen Terroristen sehen sich im Krieg gegen Israel. Als Böse jedoch in Entebbe mit einer Geisel spricht, die auf ihrem Arm eine tätowierte KZ-Nummer trägt, irritiert ihn die Ähnlichkeit seiner Rolle mit der früherer Nazi-Täter. Auch die Gespräche mit dem französischen Bordingenieur Jacques Lemoine (Denis Menochet) üben auf Böse eine mäßigende Wirkung aus. Aber die Stimmung im Film gerät viel zu nachdenklich. Die Tage in Entebbe ziehen sich relativ spannungsarm dahin, die Geiseln bleiben bis auf ganz wenige Ausnahmen Statisten. Und Rosamund Pike verleiht der in sich gekehrten Kuhlmann eine beinahe philosophische Anmutung.

Am Schauplatz Israel liefern sich Peres und Rabin Wortgefechte, in die der Film repetitiv eine aktuelle Botschaft einstreut: Israel soll, ja es muss mit seinen verfeindeten Nachbarn verhandeln. Aber auch mit Flugzeugentführern? Hier wirkt der Film reichlich konfus. Völlig überflüssig erscheint eine Nebenhandlung, in der ein Soldat der späteren Befreiungstruppe und seine Freundin, eine Tänzerin, uneinig in Bezug auf Waffengewalt sind. Es schadet der Dynamik der finalen Rettungssequenz auch ungemein, dass Szenen einer Tanzaufführung dazwischen geschnitten werden.

Fazit: Regisseur José Padilha vertieft sich in den Fall einer terroristischen Flugzeugentführung, die 1976 für Schlagzeilen sorgte und mit einer kühnen Befreiungsaktion des israelischen Militärs in Uganda endete. Obwohl sich der Thriller um Authentizität bemüht, bremst er mit nachdenklichen Tönen und handlungsarmen Passagen die dem Geschehen innewohnende Spannung zum Teil wieder aus. Dabei verfehlt auch die Absicht, die zwei beteiligten deutschen Terroristen als komplexe Charaktere zu zeichnen, ihre dramatische Wirkung. Der ständige Wechsel zwischen dem ugandischen Flughafen und Schauplätzen in Israel erweist sich wiederholt als ungeschickt.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.