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Das schönste Mädchen der Welt
Das schönste Mädchen der Welt
© Tobis Film

Kritik: Das schönste Mädchen der Welt (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Regisseur Aron Lehmann ("Die letzte Sau") präsentiert eine flotte, pfiffige Jugendkomödie, die um die romantischen Nöte 17-jähriger Schüler kreist. Der talentierte Battle-Rapper Cyril hat eine überdimensionale Nase, wie der literarische Titelheld des Versdramas "Cyrano de Bergerac" aus dem 19. Jahrhundert. Deshalb traut er sich nicht, der Klassenkameradin Roxy, die er anhimmelt, seine Gefühle zu gestehen. Um Roxy von Benno, der Böses im Schilde führt, fernzuhalten, munitioniert er den gutaussehenden, aber dummen Mitschüler Rick mit Versen und Sprüchen, die Roxys Herz erobern sollen. Natürlich kommt das Gespann Hässlich und Doof auf dieser Mission ins Stolpern. Gerade indem der Film die Nöte der Jugendlichen nicht bierernst, sondern mit ironischem Witz schildert, wirkt er selbst im Ton jung und zielgruppengerecht.

Der Hang zur Karikatur verleiht der Atmosphäre etwas Flapsiges, Unbeschwertes. Cyril-Darsteller Aaron Hilmer bekam, wie auch Anke Engelke, die Cyrils Mutter spielt, eine künstliche Riesennase verpasst. Der schöne Rick wiederum ist zu dumm für eine realitätsnahe Figur. Und der Rest der Klasse erinnert im Benehmen ein wenig an die Problemschüler aus den "Fack ju Göhte"-Filmen. Einzig Roxy wird ohne Ironie gezeichnet, als positiver, mutiger Charakter. Bei genauerer Betrachtung ächzt die inhaltliche Konstruktion an manchen Stellen. Dennoch wirken die Komplexe Cyrils durchaus glaubhaft: In diesem Alter ist das Aussehen oft wichtiger als Intelligenz und Talent. Und dass der ernste Junge auf verschrobene Gedanken und Pläne kommt, wirkt ebenfalls gar nicht untypisch für sein Alter.

Die Klassenfahrt nach Berlin wird als lächerliche, sinnlose Bildungsveranstaltung geschildert. Einerseits wirkt es durchaus glaubhaft, dass sich die Jugendlichen überhaupt nicht für Geschichte und Museumsbesuche interessieren, sondern nur für Party, Status- und Beziehungsfragen innerhalb der Gruppe. Aber die Figur der von Heike Makatsch gespielten Lehrerin, die ihre lustlosen Schüler permanent lautstark zur Ordnung ruft, ist auf überzogene Weise entnervt und resigniert. Sie kann sich eine funktionierende Beziehung zu ihren Schülern offenbar gar nicht mehr vorstellen. Scharf und aggressiv sind wie gewohnt auch die Dialoge der Rap-Battles. Aber wenn sich dann auf einmal zarte Töne durchsetzen, verlässt dieser Musikstil auf reizvolle Weise das angestammte Terrain.

Fazit: Regisseur Aron Lehmann interpretiert die klassische Geschichte des Cyrano de Bergerac erfrischend neu in der Form einer romantischen Jugendkomödie. Der respektlose, sogar karikierende Humor verleiht der Dreiecksgeschichte, in der ein Schüler mit großer Nase einen Klassenkameraden vorschickt, um ein Mädchen mit seinen eigenen Liebesversen zu betören, eine unbeschwerte Stimmung. Die Liebesnöte und Komplexe des jungen Helden bilden einen reizvollen Kontrast zum vergnüglichen Erzählton. Die Dialoge und die Inszenierung mit den zahlreichen Battle-Raps wirken ausgesprochen jugendaffin.






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