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Kritik: Das etruskische Lächeln (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Langfilmdebüt des Regie-Duos Mihal Brezis und Oded Binnun ist eine charmante, anrührende Dramödie über einen alten, sturköpfigen Mann, der sich am Ende seines Lebens in einen liebevollen Großvater verwandelt. Dazu muss er sich aber von den einsamen schottischen Hebriden ins mondäne San Francisco aufmachen, wo sein entfremdeter Sohn mit Familie lebt. Die stilvolle, mit namhaften Schauspielern aufwartende Produktion von Arthur Cohn basiert auf dem gleichnamigen Roman von José Luis Sampedro. Der Titel selbst spielt lediglich auf ein Exponat in einer Museumsausstellung an, die Rory in San Francisco besucht.

Brian Cox ist in der Rolle des raubeinigen Schotten Rory die Seele des Films. Schon die Begrüßung von Vater und Sohn am Flughafen in San Francisco stellt stürmische Zeiten in Aussicht. Anstatt auch nur eine Minute auf Ian zu warten, der ihn abholen wollte, möchte Rory sofort in ein Taxi steigen. Am meisten Spaß hat der Alte stets, wenn er mit drastischen Worten den baldigen Abgang seines Dauerfeindes Campbell an die Wand malt. Mit solchen Schotten-Klischees spielt der Film genüsslich und lässt Rory in San Francisco anecken. In der Schwiegertochter Emily, die stets genau plant, welche Lernerfahrungen Baby Jamie machen muss, findet Rory eine passende komödiantische Antagonistin.

Kaum ist diese dramatische Fallhöhe aufgebaut, wird der Grundton jedoch versöhnlich und herzlich. Die Reibereien hören deswegen keineswegs auf, aber es steht nicht jedes Mal die ganze Beziehung auf dem Spiel. Rory erklärt Jamie, der ihn vorbehaltlos mit strahlendem Lächeln akzeptiert, zu seinem neuen Lebensinhalt – und die Eltern des Babys lassen ihn weitgehend gewähren. Allmählich erkennt auch Ian, dass sich die familiären Bande nicht so einfach kappen lassen.

Der Gegensatz der beiden Schauplätze San Francisco und Hebriden, die für wunderschöne Kulissen sorgen, könnte größer nicht sein. Dabei gibt es ja eine Verbindung, nämlich das Meer. Auch in San Francisco kann Rory seinem Enkel am Strand zeigen, wie ein selbstgeschnitztes Spielzeugboot auf den Wellen schwimmt. Gegenüber solchen Reizen verblasst der Pomp, den Jamies anderer Großvater Frank (Treat Williams) zum einjährigen Geburtstagsfest veranstaltet. Es ist schön für Jamie, einen schottischen Opa zu haben, der für ein wenig Natürlichkeit in seinem Großstadtleben sorgt.

Fazit: Der schottische Schauspieler Brian Cox ist die Seele dieser herzerwärmenden Dramödie über eine späte Familienzusammenführung, die auf dem gleichnamigen Roman von José Luis Sampedro basiert. Sein Charakter Rory wagt sich am Ende seines Lebens aus der Komfortzone seiner schottischen Inselheimat hinaus nach San Francisco und bringt dort den wohlgeordneten Alltag von Sohn, Schwiegertochter und Enkelchen gehörig durcheinander. Der Zusammenprall scheinbar inkompatibler Mentalitäten und Rorys wachsender Großvaterstolz verleihen der Wohlfühlgeschichte eine gute Mischung aus Spannung und Schmunzelhumor.







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