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Kritik: Verlorene (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit dem Familiendrama "Verlorene" legt der 1981 geborene Felix Hassenfratz nach diversen Kurzfilmen und Fernseharbeiten sein Kino-Debüt vor. Sein Werk, das auf der Berlinale 2018 in der Sektion "Perspektive Deutsches Kino" Premiere feierte, spielt in einem kleinen Dorf in Süddeutschland – in der Region, in der Hassenfratz selbst aufgewachsen ist. Alle Cast-Mitglieder sprechen in ihren Rollen einen badischen Dialekt, weshalb man die Produktion einerseits als Heimatfilm rubrizieren könnte; andererseits wird sie von dem Regisseur und Drehbuchautor aber durchaus zu Recht als "Anti-Heimat-Film" bezeichnet, da sie sich mit einem Tabu-Thema befasst, das ganz allmählich in die Milieuschilderung einfließt.

"Verlorene" gibt Einblick in das Leben einer Familie: in die handwerkliche Arbeit des verwitweten Vaters und in den Alltag der äußerst unterschiedlichen jugendlichen Schwestern. "Mich interessieren Figuren, die an ihrer Welt festhalten", erläutert Hassenfratz in einem Regiekommentar – und es gelingt ihm gut, das Fatale und (Selbst-)Zerstörerische dieses Verhaltensmusters zu schildern. Auf sensible Weise behandelt der Film die empfundene Pflicht, die vermeintliche Normalität aufrechtzuerhalten, sowie den Wunsch eines Ausbruchs, der unmöglich erscheint, jedoch plötzlich immer dringlicher wird. Die Bilder, die Hassenfratz mit seinem Kameramann Bernhard Keller ("Alle Anderen") findet, um das Dasein in der 700-Seelen-Gemeinde zu erfassen, sind atmosphärisch; einige Momente sind indes etwas zu sehr um Symbolkraft bemüht.

Schauspielerisch ist das Werk überaus überzeugend. Maria Dragus ("Das weiße Band", "Licht") spielt den Part der ernsten, verschlossenen und musikalisch begabten Maria mit großer Intensität; Anna Bachmann (die in der ARD-Produktion "Ich gehöre ihm" aus dem Jahre 2017 ein eindrückliches Film-Debüt lieferte) ist als rebellische Hannah ein talentiertes Gegenüber. Die vielschichtige Beziehung zwischen den beiden Schwestern wird spannungsreich dargestellt.

Fazit: Ein präzise beobachtetes Drama, das sich in ruhiger Erzählweise mit einem düsteren Familiengeheimnis befasst. Maria Dragus und Anna Bachmann glänzen in ihren Rollen.




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