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Usedom - Der freie Blick aufs Meer
Usedom - Der freie Blick aufs Meer
© Salzgeber & Co

Kritik: Usedom - Der freie Blick aufs Meer (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

So nah und doch so fremd. Wie aus einer Umfrage, dem "Deutsch-Polnischen Barometer 2018", hervorgeht, haben 66 Prozent der Deutschen und 70 Prozent der Polen ihr Nachbarland noch nie besucht. Auf der Insel Usedom, durch die seit 1945 die deutsch-polnische Grenze verläuft, dürfte es hingegen kaum jemanden geben, der die Gegenseite noch nicht besucht hat, etwa noch nie über die Europa-Promenade, die längste Strandpromenade des Kontinents, geschlendert ist.

Regisseur Heinz Brinkmann, 1948 in Heringsdorf geboren, hat seine Heimatinsel schon mehrfach im Dokumentarfilm festgehalten. Mit "Usedom – Der freie Blick aufs Meer" kehrt er ein Vierteljahrhundert nach "Usedom – Ein deutsches Inselleben" ein weiteres Mal zurück. Von Anfang an macht er keinen Hehl daraus, dass es ihm abseits der Entwicklung der Insel vornehmlich um das nachbarschaftliche Verhältnis zwischen Polen und Deutschen geht.

Brinkmann sucht einige Protagonisten seines alten Dokumentarfilms, etwa den Eisverkäufer Markus Spiller, wieder auf, nimmt vornehmlich aber neue in den Blick. Egal ob Polen, Deutsche oder Deutsch-Polen, egal ob Empfangsdame im Hotel oder Rinderzüchter auf der Wiese, Jurist, Philosoph und Romanist oder Fischgroßhändler, Weltumsegler oder Betreiber einer Erotikbar – sie alle sind Grenzgänger, die vom Austausch zwischen den Ländern beruflich wie privat profitieren.

Brinkmann zeigt aber auch die Schattenseiten von Landflucht bis Bausünden. Ortschronist Fritz Spalink und Lars Petersen, der Bürgermeister der Kaiserbäder, nehmen die Versäumnisse der Nachwendezeit kritisch in den Blick. Immobilienmakler Mathias Hasbargen, der mit gezwirbeltem Schnäuzer im offenen Verdeck seines Oldtimers gemächlich über die Insel tuckert, will noch bestehende Baulücken schließen. Denn auch das macht Brinkmanns Film schnell klar: Usedom ist seit der Zeit der Gründerväter, mit einigen Unterbrechungen, bis heute ein erfolgreiches Geschäftsmodell.

Von seiner Insel erzählt Brinkmann mit ruhiger Stimme aus dem Off. Den heutigen Aufnahmen mischt er wiederholt vergangene unter und gibt seinem Publikum dadurch einen historischen Abriss, in den auch seine eigene Familiengeschichte um seinen Großvater, einen für die Insel prägenden Architekten, mit hineinspielt. "Usedom – Der freie Blick aufs Meer" ist dabei in erster Linie eine Liebeserklärung. Brinkmanns Film hält es wie Fischgroßhändler Hartmut Domke: "Es gibt drei Inseln: Sylt ist die teuerste, Rügen die größte und Usedom die schönste."

Fazit: Regisseur Heinz Brinkmann richtet mit "Usedom – Der freie Blick aufs Meer" eine dokumentarische Liebeserklärung an seine Heimatinsel. Sein Film ist ruhig und gemächlich wie das Inselleben und macht Lust, die langen Sandstrände und Promenaden und die Beziehungen zwischen Polen und Deutschen einmal selbst zu erkunden.




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